Kategorie: AG Trans

  • UPDATE zur Aufweichung des Selbstbestimmungsgesetzes für trans, inter und nicht-binäre Menschen

    Unser Protest wirkt! Die Verordnung wurde vorerst von der Tagesordnung genommen und wird somit erstmal nicht zur Realität werden.

    Doch die Grundidee der Verordnung sowie die inkorrekten Argumentationen dazu stehen immer noch im Raum. Wir rufen deshalb weiterhin zur Solidarität, zum Protest und zum Gespräch auf. Wir lehnen Kulturkämpfe auf dem Rücken von queeren Menschen, gerade kurz nach der CSD-Saison, entschieden ab.

    Mehr Infos: vielbunt.org/sonderregister

  • Offener Brief zur Unterstützung der Aufweichung des Selbstbestimmungsgesetzes für trans, inter und nicht-binäre Menschen durch die CDU Hessen und SPD Hessen

    Das Bundesinnenministerium plant, durch eine Änderungsverordnung im Melderecht das Selbstbestimmungsgesetz aufzuweichen. Frühere Vornamen sollen nun mit den Meldedaten erfasst werden und auch automatisch an Behörden übermittelt werden. Diese automatische Weitergabe erfolgt ohne Zustimmung der betroffenen Person. Faktisch würde diese “Besonderheitskennzeichnung” einem Zwangs-Outing gleich kommen und der Idee des Selbstbestimmungsgesetzes widersprechen. Insbesondere, weil es in begründeten Fällen laut § 13 SBGG bereits die Möglichkeit einer Offenlegung gibt, ist das aus unserer Sicht ein gefährlicher Einschnitt, Automatismen für solche Zwangs-Outings einzuführen.

    Aus dem Protokoll der 45. Sitzung des Hessischen Landtages vom 9. September 2025 entnehmen wir, dass sich die Hessische Landesregierung bereits in Teilen mit dieser Frage beschäftigt hat und auch Prof. Dr. Roman Poseck (CDU Hessen), Minister des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz, eine Position dazu hat. Diese hat uns aus mehreren Gründen in Wortwahl und Inhalt schockiert.

    Wir bitten in unserem offenen Brief die CDU Hessen um eine Stellungnahme zu den von ihnen hervorgebrachten Positionen und wie diese zu Ihren bisherigen Signalen der Unterstützung der queeren Community passen.

    Wir bitten die CDU Hessen und SPD Hessen zuletzt dringend darum, dieses Vorhaben in der morgigen Sitzung des Bundesrates (entsprechend der Empfehlung des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) abzulehnen.

    Der offene Brief ist im vollständigen Wortlaut hier abrufbar:

  • 24.08.: Tag der offenen Tür

    Am 24. August öffnen wir das Queere Zentrum für alle, die vielbunt und den offenen Jugendtreff kennenlernen möchten. Kommt vorbei, trefft queere Menschen aus Darmstadt und lernt etwas über unsere vielfältigen Angebote.

    Fediverse-Reaktionen
  • Rückblick: Trans* Day of Remembrance

    Danke an alle Menschen für die Teilnahme an unserer Kundgebung auf dem Luisenplatz! Hier sind die Reden in voller Länge abrufbar:

    Alice Dorothea Janssen

    Ich bin müde.
    Wir haben dieses Jahr ja erstaunlich leise ein Selbstbestimmungsgesetz bekommen. Der Aufschrei der Ahnungslosen in den Medien hat sich letztes Jahr schon ausgetobt. Und nun sind wir angeblich angekommen. Hurra. Ich bin nur noch ein Verwaltungsakt, ich kann mich nur noch über genau das gleiche Bürokratiemonster aufregen wie alle anderen. Meine Fahne ist nicht mehr Regenbogenbunt oder Babyblau-Mädchenrosa pastellig, ich stehe mausgrau vor Herrn Meier vom Standesamt Mitte. Die ganze antipatriarchale Revolution der Transition ist nur noch langweiliger Verwaltungsakt. Die Menschen haben für diese Sekunde alle mal was von uns und unserem Problem gehört. Wir gruseln uns nur noch ein bisschen davor, wo sie etwas gehört haben und welcher uninformierte Halbjournalist ihnen in welcher Zeitung eine Meinung gebildet hat. Im Bundestag wurde die Transphobie fast eingegrenzt auf die Vogelscheuche von der AfD. Alles ist schön eingeordnet.
    Puh. Durchatmen. Wir haben‘s geschafft. Uns geht’s doch gut. Wofür Pride? Wofür diese Veranstaltung hier?

    Das war’s an positiven News. Müde sein können wir uns nicht leisten. Schnallt euch an.

    426 beurkundete Tote beklagen wir heute. Was heißt das genau? In Deutschland erhebt nur Berlin Daten, die einen Mord oder Suizid mit dem Themenbereich „trans“ verknüpfen können. Deutschland weist in der Statistik wundervoll glänzende 0 Tote auf. Hurra, das sah ja schon mal anders aus. Wir erinnern uns an Ella, deren Grab immer wieder geschändet wird und Malte, dessen Zivilcourage bei einem CSD ihn das Leben kostete. Die Dunkelziffer ist angesichts der Datenlage ganz sicher schon hierzulande vorhanden und ganz sicher nicht realistisch erfassbar.
    Islamische bis islamistische Länder erheben keine Daten – und in denen tötet der Staat sogar aktiv mit.
    Diktaturen und Despotenregime erheben keine Daten – und in denen tötet der Staat aktiv mit.
    Die Höhepunkte der erfassbaren Statistik sind mal wieder: Brasilien, die USA und Mexico.
    Dort zeigen sich deutlich die Mechanismen, die uns töten: Patriarchale Sturkturen. Die meisten Toten sind Frauen. Rassismus. Die meisten Toten sind rassifiziert, also indigen, schwarz oder auf die USA bezogen Latinas. Armut. Die meisten Toten mussten ihr Leben als Sexarbeitende bestreiten. Diese Rädchen greifen ineinander, sie sind ohneeinander kaum denkbar.

    Seit Anfang dieses Monats nimmt der Horror ganz konkret neue Formen an. Mit Trump gewinnt ein Mensch Macht, der für all das steht, was wir moralisch verachten müssen. Für eine Kultur des Hasses, der Lügen, der Spaltung. Und er wird seine Schergen mitbringen, die großen in den Ämtern und die kleinen auf den Straßen, die Morgenluft wittern ihren Hass gegen uns Tat werden zu lassen. Das ist beurkundet, trans Menschen in den USA berichten seit Trumps Wahlsieg über signifikant angestiegene Hassnachrichten und Todesdrohungen. In den USA, die ihren Kulturkampf ja immer zu uns exportieren, ist der Diskurs allerdings auch weitergegangen. Trans hat kaum noch gezogen, so kurz vor der Ziellinie musste Trump die großen Geschütze auspacken. Also drauf auf die Ausländer oder die körperliche Selbstbestimmung von Frauen. Komisch, das kenn ich aus Deutschland auch.

    Zeit zum Durchatmen während andere zur Zielscheibe werden? Nein!

    Wir können nur dann verstehen, was uns tötet, wenn wir intersektional denken. Wie ich bereits ausgeführt habe, heult Transphobie immer im Chor. Mit Homophobie, mit Xenophobie, mit Misogynie, mit Deckmäntelchen wie dem Kampf gegen Sexarbeit oder angeblichem Kinderschutz. Wir haben wieder einmal erschreckende Zahlen: 426. Wenn wir im Rauschen aller anderer Krisen die Ohren spitzen, dann hören wir immer noch die Nachrichten, die unsere Community mit definieren.
    Transfrau umgebracht.
    Transmann durch Selbstmord verstorben.
    In den Sozialen Medien, wo alle Bullies sich groß fühlen dürfen, werden wir immer wieder angeschrieben: „Mach dich weg!“ „Bring dich um!“
    In den Statistiken dieses Tages geht es oft nur um die Mordopfer. Das ist nur die halbe Wahrheit.
    Rosa von Praunheim hat den Film über die Situation der Schwulen so schön benannt, dass ich diesen Titel immer wieder gerne abwandele für andere Minderheiten:
    Nicht die trans Menschen sind pervers, sondern die Situation, in der sie leben.
    Die Situation ist die Gesellschaft. Die Gründe für Mord und Selbstmord liegen in dieser Gesellschaft. In den meisten Ländern bringen nicht Regime uns um, sondern einzelne Bürger, die das Klima aus Mißinformation und Hass, das die Täter mit den weißen Handschuhen im Hintergrund schüren verinnerlicht haben. Und oft genug bringen wir selbst uns um, weil wir die Perversität dieser Gesellschaft und ihr Mobbing nicht mehr aushalten. In den USA können wir solche Entwicklungen gerade unter der Lupe sehen.

    Die zweite Nachricht, die mich dieser Tage nachdenklich stimmt, ist die Aussicht auf baldige Neuwahlen in diesem Land. Das ist beunruhigend, wenn man sich anschaut, dass alle Parteien, die uns zumindest nicht feindlich gegenüber stehen in den Umfragen abgestürzt sind. Dass eine faschistische Partei im Osten 30 Prozent erreicht und die CDU nur deshalb nicht das Schicksal der SPD teilt, weil sie allzu oft fröhlich nachplappert, was die Faschisten vorbeten. Die Uhr der Gesetzgebung kann auch hierzulande rasch zurückgedreht werden. Eine explizite Nennung queerer Menschen im Artikel 3 GG ist uns als einziger der von den Nazis verfolgten Gruppen bisher verwehrt geblieben.

    Wenn wir überleben wollen, müssen wir uns wappnen.
    Leicht gesagt für eine trans Frau, die lieber sanft wäre als eine Amazone sein zu müssen.
    Wenn wir überleben wollen, müssen wir gestalten.
    Leicht gesagt für eine marginalisierte Minderheit.
    Der Winter kommt. Und wenn wir überleben wollen, dann müssen wir zusammenrücken. In dieser Rede habe ich kein Wort verloren über andere Konflikte dieser Welt – Mit gutem Grund. Es ist zu leicht, sich an diesen Themen zu spalten, wenn wir einander an anderen Fronten brauchen. Wir haben es in den letzten Jahren in dieser Stadt geschafft, lauter und sichtbarer zu sein. Wir haben es uns immer wieder bewiesen: wir sind einander Stützen in schwierigen Zeiten ebenso wie wir Krieger sind, wenn es darauf ankommt. Diese Tugenden wurden in guten Zeiten geübt, damit sie uns in schlimmen Zeiten leichter von der Hand gehen. Wir können sicherlich nicht die Zahlen verändern, die überall in der Welt wieder viel zu hoch sind. Aber ich möchte mit euch weiterhin daran arbeiten, dass wir in Deutschland eine realistische Null hinbekommen.

    Maria Stockhaus

    Heute Gedenken wir den Opfern transfeindlicher Gewalt.

    Auch heute stehen wir als queere Community, als Allies solidarisch an der Seite unserer Freund*innen

    Wir stehen solidarisch an der Seite der Menschen, die tagtäglich von physischer und psychischer Gewalt aufgrund von Transfeindlichkeit bedroht sind.

    Wir stehen hier und wir beklagen unsere Toten.

    Halten uns gegenseitig in der Angst, dass es eine*n von uns als nächstes Treffen könnte.

    Wir sprechen unseren Freund*innen Mut zu, wieder hinaus zu gehen in diese Welt, eine Welt voller Bedrohungen

    Hinaus zu gehen trotz alledem

    Wir sprechen unseren Kindern Mut zu. 

    Mut sie selbst zu sein

    Wir halten ihre Hände, flüstern ihren Namen beim Einschlafen und hoffen, dass sie in einer freundlicheren Welt aufwachsen werden als der heutigen.

    Das sie aufwachsen werden

    Die Morde an trans* Personen werden kaum systematisch erfasst. 

    Wirklich verlässliche Zahlen gibt es nicht

    Das Trans Murder Monitoring spricht in 2023 von 350 ermordeten Menschen (in nur wenigen erfassten Ländern)

    Die überwiegende Mehrheit unter Ihnen sind PoC und indigene trans-feminine Personen.

    Wir haben hier eine zusätzliche Risiko-Ebene; eine Verschärfung von Transfeindlichkeit durch Rassismus

    Doch die Gewalt, der trans* Menschen ausgesetzt sind, beginnt schon viel früher und endet nicht mit dem Tod.

    Nehmen wir das Selbstbestimmungsgesetz

    • Es wird eine Wartezeit von 3 Monaten hinterlegt bis eine angemeldete Änderung des Personenstandes auch wirklich vollzogen werden kann
    • Und dann hat Mensch nur 6 Monate Zeit, diese zu ändern
    • Und einmal geändert, darf eine erneute Änderung erst nach einem Jahren erfolgen

    Hier sind transfeindliche Erzählungen im Gesetz angekommen.

    Erzählungen, die die eigene Identität eines Menschen zur Mode umdeuten wollen

    Hier werden Hürden aufgebaut, die es nicht braucht.

    Diese Hürden sind Ausdruck des Zweifels an der Selbstaussage über die eigene geschlechtliche Identität

    • Und für den Spannungs- und Verteidigungsfall belibt das männliche Geschlecht im Zweifel direkt bestehen

    Und hier wird dann auch direkt gesagt, dass die Selbstaussage nicht anerkannt wird.

    Das ist psychische Gewalt gegen trans* Menschen

    • Das Hausrecht bleibt durch das neue Selbstbestimmungsgesetz unberührt

    Auch hier wird die Selbstauskunft über die eigene geschlechtliche Identität nicht anerkannt

    Stattdessen übernimmt die Politik hier wieder ein rechtes Narrativ über sogenannte Männer in Frauenkleidung, die sich in Schutzräume für Frauen einschleichen wollen

    Das ist doe reine Täter -Opfer-Umkehr. 

    Männer müssen keine Kleider tragen,  um Frauen zu bedrohen

    Und was ist mit unseren Kindern?

    Ihnen wird diese Selbstauskunft, dieses Wissen über die eigene Identität  vollkommen abgesprochen

    Die Formen der Gewalt und der Diskriminierung sind zahlreich

    Witze über Frauen, die aussehen wie Männer, verletzen. 

    Als Mann zu einem Frauenarzt gehen zu müssen statt zu einem Gynäkologen

    Oder auch eine generelle Unfähigkeit medizinischer Fachpersonale im Umgang mit trans*identen Menschen ist körperliche Gewalt.

    Denn diese Unfähigkeit führt dazu, dass trans* Menschen seltener zu Ärzt*innen gehen

    Aus Angst vor einer unwürdigen Behandlung

    Gleiches gilt für den Gang zu Polizei oder all den anderen Behörden

    Und dazu kommen die vielen dummen Sprüche, die absichtliche Verletzung durch Worte.

    Das Verfolgen

    Das Bespucken

    Schupsen

    Das Schlagen

    Das Treten

    Das Töten

    Und nach dem Mord wird das Opfer in der Presse misgendered und gedeadnamed

    Die meisten Morde an trans Menschen werden nicht aufgeklärt

    Die eine Form der Gewalt baut auf der anderen auf.

    Wenn wir einen Spruch zulassen,

    wenn wir unserer Sprache keine Beachtung schenken,

    wenn wir es zulassen, dass trans Personen unter Generalverdacht stehen,

    dann tragen wir zur Normalisierung dieser psychischen Gewalt bei

    Ermöglichen den nächsten Schritt

    Gewalt kommt nie plötzlich, nie vollkommen unerwartet

    In unserer Gesellschaft werden immer wieder transfeindliche Narrative aufgegriffen, wiederholt und letztlich in Gesetze gegossen

    Dies ist nicht die uneingeschränkte Selbstbestimmung und Unterstützung, die trans Menschen brauchen

    die ihnen zusteht

    Und auch die Verschärfung der aktuellen Asylpolitik schränkt den Schutz queerer Geflüchteten erheblich ein

    Dies geschieht durch GEAS aber auch durch die entfallende finanzielle Unterstützung des Projekts der Rainbow Refugees

    Wenn wir über transfeindliche Gewalt sprechen, kommen so viele Aspekte gesellschaftlichen Lebens zusammen

    Die Gewalt gegenüber trans Menschen nimmt in den letzten Jahren stetig zu

    Symbolisch dafür stehen die Übergriffe auf die diesjährigen CSD und damit auf die gesamte queere Community

    Wir sehen hier einen Ausdruck des gesellschaftlichen Rechtsruck und sich verstärkender faschistischer Tendenzen

    Den strukturellen Formen der Diskriminierung und Gewalt, den gesamtgesellschaftlichen Rechtsruck, unseren eigenen diskriminierenden Erzählungen müssen wir uns immer wieder stellen

    Und entgegenstellen

    Wir, die queere Community und ihre Allies, 

    Wur erinnern nicht nur an unsere Toten.

    Wir wissen, dass erinnern bedeutet, 

    zu kämpfen und 

    zu verändern.

    Sonja Götz

    Die ersten Worte sind immer die schwersten. Ich denke, die meisten von euch werden es kennen. Etwas beschäftigt uns, belastet uns, oder wir sind mit etwas konfrontrontiert, und wissen nicht was wir tun sollen, und am Ende tun oder sagen wir nichts.

    Weil wir Angst haben. Angst davor, etwas falsch zu machen. Oder weil wir das Gefühl haben, es bringt doch eh nichts, also kann ich es auch gleich lassen.

    Aber das kann, je nach Situation, fatale Folgen haben.

    Viel zu oft hört man in den Nachrichten, dass Menschen in der Öffentlichkeit in Not geraten, Hilfe brauchen, aber niemand hilft.

    Weil die Menschen darum herum Angst haben. Oder denken, irgendjemand wird schon irgend etwas tun.

    Und am Ende ist vielleicht ein Mensch ums Leben gekommen oder getötet worden!

    Aber wie kann man diese Angst und diese Lähmung nun überwinden?

    Manche Sachen kann man tatsächlich trainieren.
    Wer einen Führerschein hat wird sich vielleicht/hoffentlich noch an den Erste Hilfe Kurs erinnern.

    Und als ich anfing, mich auf diese Rede vorzubereiten, nach einem Anfang gesucht habe kam mir auch der Gedanke, es ist ja leider nicht das erste Mal, also sag einfach, was du normalerweise sagst.

    Und da wurde mir kurz schlecht.

    Normalerweise?


    Nichts, aber auch gar nichts hieran sollte “normal” sein. Deshalb habe ich mich heute ganz bewusst gegen meinen sonstigen Ablauf entschieden, was ich allerdings übernehmen musste ist die Triggerwarnung.

    Und die nicht deutlich genug ausfallen, bei mir liegen die Nerven zu blank, als dass ich viel schönreden könnte. Denn je mehr wir uns an etwas gewöhnen, desto weniger wird sich ändern!

    Aber wie sollen wir denn etwas ändern, wenn wir starr sind vor Angst und nicht wissen, was wir überhaupt tun können?
    Wie gesagt, einige Sachen kann man wirklich üben, grundsätzlich gilt aber:
    Solange ihr euch nicht selbst gefährdet, ist ETWAS zu tun am Ende immer besser als nichts zu tun.

    Das sagen ja auch die Rettungskräfte immer wieder:
    1. Selbstschutz. 2. Helfen! Irgendwie.

    Weil es kann um Leben und Tod gehen.

    So wie heute.

    Für die Menschen, derer wir heute gedenken, kommt die Hilfe zu spät.
    Es wird geschätzt, das ca. 0,5% der Weltbevölkerung trans ist. Wie viele dieser Menschen jedes Jahr umgebracht werden, weil sie eben auch trans sind, ist schwer zu sagen. Oft ist es den Behörden nicht bekannt, oder es interessiert sie nicht.
    Es gibt aber eine Organisation, die sich die bittere Aufgabe auferlegt hat, genau dazu Infos zu suchen.
    Sie kommt seit mehreren Jahren auf über 300 Mordopfer pro Jahr weltweit, seit 2023 sind es über 350.

    Aus diesem Grund haben wir heute auch diese Lichter mitgebracht, es sind etwas über 300 und jedes von ihnen steht für einen ermordeten Menschen.


    Über 300, und das sind nur die, bei denen man den Hintergrund erfasst hat.

    Wenn wir jetzt noch bedenken, dass in vielen Ländern der Erde unsere Rechte mit Füßen getreten und systematisch immer weiter eingeschränkt werden, muss man davon ausgehen, dass die Dunkelziffer bei weitem höher ist.

    Und die Gewalt nimmt zu.

    Genau deshalb ist es so wichtig, zu handeln!

    Und deshalb ist das hier auch keine “normale” Trauerveranstaltung!
    Es wird noch ein Moment der Stille kommen, aber vorher erheben wir noch unsere Stimmen. Denn es geht um Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und die Opfer, derer wir heute gedenken, sind nur die Spitze des Eisbergs!
    Aber so bedrückend all das auch ist, wir stehen in diesem Kampf auch nicht alleine, wir stehen hier zusammen und erheben auch gemeinsam unsere Stimme.

    Seit ich anfing, diese Rede zu schreiben, ging mir ein Satz nicht mehr aus dem Kopf, den ich irgendwann mal aufgeschnappt habe:

    “Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich auch daran, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht.”

    Als dann die Idee mit den Lichtern kam, war es wie eine Lawine, eine Lawine aus Fragen und Antworten, eine schlimmer als die andere:
    “Müssten wir nicht viel mehr Lichter entzünden? Eines für jedes Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie viele wären das? Und warum tun wir es nicht?”
    “Wollten wir all der Opfer mit einer Schweigeminute gedenken, wie lange müssten wir schweigen? Und warum tun wir es nicht?”

    “Und warum tun wir es nicht?”

    Meine bittere Vermutung ist: Weil es nicht erwünscht ist. Wir könnten ja anfangen zu begreifen, was so alles schief läuft. Und wir können bemerken, dass Menschen gezielt Fadenkreuze auf die Stirn gemalt werden.

    So wie bei den Menschen, derer wir heute gedenken, und so bitter es auch ist, mich mit ihren Schicksalen zu beschäftigen hat mir wieder einmal vor Augen geführt, es geht hier um weit mehr als um Gewalt gegen Transmenschen.

    Denn 94% der Opfer waren feminin, und im letzten Jahr wurden 1795 Frauen ermordet, weil sie Frauen sind.
    93% der Opfer waren dunkelhäutig, laut dem Department of Justice in den Staaten sind Rasse bzw. Ethnizität bei über 50% der Hassverbrechen auslösender Faktor, an zweiter Stelle Religion mit 22%.
    Aber warum erwähne ich das hier und jetzt?
    Weil es zeigt, dass die Gewalt gegen Transmenschen nur die Spitze des Eisbergs ist!
    Weil es zeigt, dass der Gewalt ein Hass zugrunde liegt, dem wir nur wirksam entgegen treten können, wenn wir aufhören, Unterschiede zu machen!

    Wir müssen aufhören, uns teilen zu lassen!

    “Teile und herrsche!” ist eine uralte Strategie der Herrschenden, um sich die Macht zu sichern, du musst einfach Zwietracht unter deinen Gegner säaen, dann bekämpfen sie sich untereinander und du hast deine Ruhe.

    Aber da mache ich nicht mehr mit! Cis-Trans, Mann-Frau, hell dunkel, ich stehe hier als Mensch, und ich kämpfe für die Menschenrechte. Punkt! Und ich habe keine Angst mehr, Fragen zu stellen und Antworten zu geben!

    Zum Beispiel, woher dieser ganze Hass eigentlich kommt?

    1. Gesellschaftliche Verantwortung.
    Es ist belegt, dass Dinge wie soziale Ungleichheit, wirtschaftliche Unsicherheit und unzureichender Zugang zu Bild und Gesundheitsversorgung den gesellschaftlichen Nährboden für Vorurteile und Diskriminierung bereiten. Umgekehrt fördern Investitionen in Bildung und ein gerechtes Sozialsystem das kritische Denken und reduzieren die Akzeptanz von Hass.

    2.Die Gewaltspirale

    Doch leider erleben wir seit Jahrzehnten genau das Gegenteil. Mieten steigen, Löhne sinken, das Bildungsniveau geht den Bach herunter, für Kinder bleibt weder Zeit noch Geld, die medizinische Versorgung wird immer schlechter, also reichlich Spannungsfelder und Krisen, die dann, wie beschreiben, Nährboden für die Gewalt sind.

    Und auch das ist belegt:
    “Die Eskalation von Gewalt beginnt oft mit Stereotypen, Beleidigungen und Ausgrenzung. Laut Sozialforschern führt eine verbreitete Entmenschlichung von Minderheiten häufig zur Verrohung der Gesellschaft gegenüber ihnen. Studien belegen, dass herabwürdigende Rhetorik in Medien und Politik Gewalt gegen marginalisierte Gruppen schürt.”

    Und wem das irgendwie bekannt vorkommt, ja, hatten wir ALLES schon mal, ist gar nicht so lange her:

    3. Historische Parallelen:
    In autoritären Regimen wie dem Dritten Reich wurden zunächst Gesetze geschaffen, um Menschengruppen zu entmenschlichen, was in die systematische Gewalt und Vernichtung mündete. Diese Dynamik zeigt sich auch heute, wenn transfeindliche Gesetzgebung Gewalt gegen Transpersonen verstärkt.
    Beispiel Russland, Transitionen sind überhaupt nicht mehr möglich.
    Beispiel USA: 2024 Derzeit 664 Anträge für Anti-Transgesetze unter Beobachtung.
    “We track legislation that seeks to block trans people from receiving basic healthcare, education, legal recognition, and the right to publicly exist.”
    (translegislation.com)

    Vereinfacht gesagt: Es wird ganz gezielt ein gesellschaftliches Klima geschaffen, in dem Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufgehetzt werden. 

    Aber warum und was können wir tun?

    1. Zur Frage warum:
    Es gibt keine sanfte Art, das zu umschreiben, also muss ich jetzt mal deutlich werden:
    Weil ein paar Menschen davon profitieren. Weil viel zu oft eben doch Geld die Welt regiert.

    2022 besaßen weltweit 1,1% der Erwachsenen 45,8% des Vermögens, während 52,5% der Bevölkerung gerade mal 1,2% des Vermögens besaßen.

    Wir haben kein Armuts-, wir haben ein Verteilungsproblem!
    Wenn es also heißt, es gibt kein Geld für Investitionen in Bildung und Soziales und für die Pflege und für queere Projekte, dann ist das schlicht eine Lüge!
    Denn diese Investitionen würden kritisches Denken fördern, der Angst und dem Hass würde der Nährboden entzogen und das ist nicht gewünscht. Denn Angst und Zorn machen manipulierbar.


    2. Also, was können wir tun!
    Selbstschutz. Kritisch Denken. Vernetzen. Kämpfen
    Selbstschutz: Achtet auf euch, niemand hat etwas davon, wenn ihr euch überfordert oder in Gefahr bringt!
    Kritisch sein: Wir nehmen viel zu viel einfach hin. Informiert euch, hinterfragt, vor allem auch Medien und die Poliitk, und kritisiert, wenn es irgendwo stinkt.

    Vernetzen: Und tauscht euch darüber aus. Welche Quelle ist gut, welche parteiisch. Gemeinsam sind wir stark. Der Austausch wird besser, unsere Stimmen werden lauter, wir können schneller reagieren und auch besser füreinander da sein.

    Mit “wir” meine ich dabei übrigens alle Menschen, die für eine bessere Welt kämpfen.

    Kämpfen

    Und die gibt es. Denn der Kampf für die Menschlichkeit wütet, seit es die Menschheit gibt, denn es gibt immer ein paar, die nur an sich denken.

    Aber es gibt auch immer die, die sich wehren.

    1517 Luther gegen die Kirche. 1789 die französische Revolution und Olymp de Gouges, deren Erklärung der Frauenrechte als das erste feministische Manifest gilt.

    1955, keine 100 Jahre her, der Widerstand gegen die Rassentrennung in den Staaten.

    Und am 20.11.1995 wird Chanelle Pickett ermordet, bei weitem nicht die erste ermordete Transfrau, aber ihr Tod gilt als Auslöser für den “Trans Day of Remembrance”.

    Bin auch ich müde, diesen Kampf kämpfen zu müssen? Oh ja.

    Aber geben wir auf, haben diese Menschen umsonst gekämpft. Und die Opfer, derer wir heute gedenken, haben völlig umsonst ihr Leben verloren.

    In unserem Grundgesetz steht:

    §1 “Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt.”

    Auch für diesen Paragraph haben Menschen gekämpft, aber jeden Tag wird die Würde von Menschen verletzt. Und wer das nötige Kleingeld besitzt, wird nicht einmal zur Rechenschaft gezogen.

    Also müssen wir für unsere Würde kämpfen. Denn Druck erzeugt Gegendruck und ich weigere mich, kampflos Teil der traurigen Statistik zu werden!

    Wenn wir also keine Revolution wollen, brauchen wir ein Ende des Turbokapitalismus, wir brauchen Investition in die WIRKLICH systemrelevanten Strukturen wie Bildung, Gesundheit, Soziales. Denn nur, wenn es auf der Welt endlich gerechter zugeht, wird dem Hass der Nährboden entzogen!

    Denen, die an der Ungerechtigkeit verdienen, wird das natürlich nicht gefallen, also müssen 

    wir alle Register ziehen, die uns zur Verfügung stehen. Demonstrieren, Öffentlichkeitsarbeit, Aufklärung, Unterschriften sammeln, Vereinsarbeit, selbst Parteien gründen, Verfahren anstoßen, Anträge stellen, wie gesagt, praktisch alles ist besser als nichts zu tun.

    Aber so, wie für unser eigenes Leben dabei Raum bleiben soll, soll auch für die Trauer Platz sein. Deshalb möchte ich euch jetzt noch einmal bitten, einen Moment im Stillen der Ermordeten zu gedenken. 

    Die Dunkelheit der Nacht ist ein fester Bestandteil unseres Lebens. Und auch der Tod hat seinen Platz. Aber so, wie wir hier und heute der Dunkelheit ein Licht entgegenstellen, können wir manchmal auch dem Tod entgegen treten. Wir können die Opfer nicht wieder lebendig machen, aber wir können das Licht gegen die Dunkelheit in die Herzen sein. Denn manchmal braucht es gar nicht viel, um ein Leben zu retten, manchmal reicht schon ein Wort oder eine einfache Geste, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

    Ich danke euch für eure Zeit, eure Anteilnahme und euren Mut, wünsche euch Kraft, Glück und Gesundheit und vergesst nie:
    Ihr seid nicht allein!

  • 20.11.: Mahnwache zum Trans* Day of Remembrance 2024

    Am 20. November, dem Trans Day of Remembrance, gedenken wir jedes Jahr den Menschen, die aufgrund ihrer Transidentiät Opfer transfeindlicher Gewalt wurden und dadurch ihr Leben verloren haben. Dieses Jahr laden wir zu einer Mahnwache um 18 Uhr auf dem Luisenplatz ein. Westlich des Brunnens vor dem Regierungspräsidium haben wir eine besondere Aktion vorbereitet, an der ihr euch beteiligen könnt.

    Die trans Gemeinschaft erlebt, dass Anfeindungen und staatliche Repressionen zunehmend gesellschaftliche Zustimmung finden. Laut Bundesinnenministerium ist die Zahl gemeldeter Angriffe auf queere Menschen erneut deutlich gestiegen. Berichte und persönliche Erfahrungen zeigen, dass trans Personen einer besonders hohen Gefahr ausgesetzt sind, verbal oder körperlich angegriffen zu werden.

    In vielen Ländern sind trans-Rechte zu einem zentralen und kontroversen Thema geworden, oft instrumentalisiert im Wahlkampf rechter Parteien. Auch in Deutschland zeigt sich der Widerstand gegen das kürzlich in Kraft getretene Selbstbestimmungsgesetz. Dieser Widerstand wird vor allem durch rechte, religiöse und „radikalfeministische“ Gruppierungen vorangetrieben. Rechtskonservative und rechtsextreme Kräfte sind dabei, durch die Einschränkung von Freiheiten und Rechten für trans Personen die Gesellschaft zu spalten.

    vielbunt e.V. setzt ein Zeichen gegen jede Form von Transfeindlichkeit und wird weiterhin für die Rechte und Selbstbestimmung aller trans und queeren Personen kämpfen.

  • Endlich Selbstbestimmung!

    Kein Gericht, keine Richter*innen, und keine Gutachten mehr – ab dem 1. November 2024 können volljährige Menschen in Deutschland ihren Vornamen und Personenstand durch eine einfache Erklärung beim Standesamt ändern. Das hat der Deutsche Bundestag heute beschlossen. Auch wenn das Gesetz nicht perfekt ist und der Weg dorthin teilweise schmerzhaft war: Wir freuen uns über diesen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur queerer Gleichberechtigung in Deutschland. Ausführlicher berichtet der Bundesverband Trans* in seinem Statement: https://www.bundesverband-trans.de/sbgg-verabschiedet/

  • Rückblick: Transgender Day of Visibility in Darmstadt

    Der Transgender Day of Visibility am Luisenplatz war eine mutige Aktion für die Sichtbarkeit und Akzeptanz von trans Personen. Dieser Tag, weltweit am 31. März gefeiert, hebt die Bedeutung der Anerkennung und Unterstützung der trans Community hervor, besonders angesichts aktueller Herausforderungen wie dem Fehlen eines Selbstbestimmungsgesetzes in Deutschland. Solch ein Gesetz würde trans Personen ermöglichen, ihre Geschlechtsidentität selbst zu bestimmen – ein wichtiger Schritt zur Wahrung ihrer Rechte.

    Die Veranstaltung zeigte die Vielfalt der Besucher*innen: von informierten Verbündeten über Menschen, die ihre Anliegen teilten, bis hin zu denjenigen, die erstmals in Berührung mit dem Thema kamen. Dieser, zum Glück meist angenehme, Austausch zeigte aber auch wieder einmal deutlich die nach wie vor große Notwendigkeit von Aufklärung und Dialog. 

    Trotz positiver Resonanz sehen sich trans Personen noch immer mit vielen Problemen konfrontiert, von Diskriminierung über  bürokratische Barrieren bis hin zu verbaler und körperliche Gewalt. Der Tag in Darmstadt war ein lehrreicher Moment, der die Wichtigkeit und Wirksamkeit von Engagement und Aufklärungsarbeit betonte. Wir danken allen Teilnehmer*innen für ihre Solidarität und blicken motiviert auf ähnliche zukünftige Veranstaltungen, die zum Ziel haben, ein inklusiveres und verständnisvolleres Umfeld zu schaffen.

  • Transgender Day of Visibility

    Heute ist Transgender Day of Visibility! Dieser Tag ist nicht nur dafür da, den Blick auf diskriminierende Gesetze zu lenken, die leider wieder auch abseits des TSG die Schlagzeilen zum Thema beherrschen. Dieser Tag ist ein Tag, an dem gefeiert wird, denn hinter dem Begriff trans* findet man auch eine Menge schöne Aspekte, die verdienen, sichtbar zu sein: Eine Vielzahl an trans* Personen mit viel Lebensfreude sowie eine starke Community, die gegenseitige Unterstützung, Liebe, Kraft und Mut bietet. Auch ist es ein Anlass, um die eigene Unterstützung gegenüber trans* Personen sichtbar zu machen.

    Wie auch in den letzten Jahren teilen viele Menschen ihre Geschichten und Gedanken unter den Hashtags #TransDayOfVisibility sowie #TDOV und #TDOV2024 in den sozialen Medien. Schaut euch die Fotos und Videos an, lest von trans* Leuten weltweit und teilt vielleicht auch selbst etwas von euch!

  • 31.03.2024: Infostand zum Transgender Day of Visibility

    Am 31. März 2024 um 12 Uhr lädt vielbunt alle herzlich ein, den Transgender Day of Visibility gemeinsam auf dem Darmstädter Luisenplatz zu begehen. An diesem besonderen Tag, der weltweit begangen wird, möchten wir die Sichtbarkeit von trans* Personen erhöhen und ein starkes Zeichen für Akzeptanz, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung setzen.

    Was erwartet euch?

    Wir organisieren einen Infostand, bei dem ihr die Möglichkeit habt, in entspannter Atmosphäre direkt mit trans* Personen ins Gespräch zu kommen. Es wird eine gute Gelegenheit für euch, ganz offen eure Fragen zu stellen, unsere Geschichten zu hören und damit voneinander zu lernen. Unser Ziel ist es, ein besseres Verständnis und Bewusstsein für die trans* Community zu schaffen und gleichzeitig ein Umfeld der Unterstützung und Solidarität zu fördern.

    Warum ist der Transgender Day of Visibility so wichtig?

    Trans* Personen gehören zu den am meisten marginalisierten Gruppen in unserer Gesellschaft. Sie sind häufig Vorurteilen, Diskriminierung und Gewalt in unterschiedlichsten Formen ausgesetzt. Der Transgender Day of Visibility dient dazu, ein Bewusstsein für diese Ungerechtigkeiten zu schaffen und gegen sie anzukämpfen, indem wir Präsenz zeigen und den Dialog suchen.

    Wie kannst du unterstützen?

    Ganz einfach: Komm vorbei. Allein deine Anwesenheit bei uns ist eine mächtige Form der Unterstützung. Zeig deine Solidarität und komm mit uns ins Gespräch. Wir freuen uns auf dich und sind bis 15 Uhr vor Ort!

  • Selbstbestimmungsgesetz – Bitte Richtig!

    Seit vielen Jahren gehen wir dafür auf die Straße, dass trans, inter und nicht-binäre Personen ihr Geschlecht selbst bestimmen dürfen und dafür nicht auf Wohlwollen von anderen Menschen angewiesen sind. Seit unserem Trans*Pride im Jahr 2018 mit dem Motto “Du bestimmst nicht mein Geschlecht!” wurden die wenigsten der dort gestellten Forderungen erfüllt. Mit einem queerfreundlichen Selbstbestimmungsgesetz dürfte es sich ändern. Doch die Version, die heute vom Kabinett gebilligt wurde und nach einer Stellungnahme des Bundesrats in die erste Lesung im Bundestagsplenum gehen wird, lässt weiterhin die Tür für Fremdbestimmung offen. Wir schließen uns in dieser Sache der Kritik der Antidiskriminierungsbeauftragten Ferda Ataman an: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2023-08/ferda-ataman-selbstbestimmungsgesetz-bundestag-kritik 

  • 60 Menschen bei unserer Demonstration für Vielfalt und Akzeptanz in Erzhausen

    Wir, vielbunt e.V., sind ein Verein in Darmstadt, der sich für die Rechte, Selbstbestimmung und Akzeptanz von schwulen, lesbischen, bisexuellen, trans* und queeren Menschen einsetzt. Mit Erschrecken haben wir festgestellt, dass am 11. März 2023 ein Studientag zum Thema „Transgender“ vom Bund Freikirch­licher Pfingst­gemeinden geplant war. Als queerer Verein mit über 400 Mitgliedern sind wir besorgt darüber, dass Personen, die bekannt sind für ihre queerfeindlichen und antifeministischen Ansichten sowie Aktivitäten, im Landkreis Darmstadt-Dieburg eine Bühne erhalten.

    Die offizielle Seite der Veranstaltung kündigte an, dass bei dem dortigen anderthalbstündigen Podiumsgespräch Prof. Dr. Christoph Raedel und Birgit Kelle auftreten würden. 

    Prof. Dr. Christoph Raedel glaubt an die „Veränderbarkeit sexueller Präferenzen“ und macht Werbung für das Unterstützen der Bestrebungen, die sexuelle Orientierung zu verändern. Birgit Kelle ist eine Publizistin und Aktivistin, die sich gegen die Rechte von queeren Menschen einsetzt und unter anderem die Konversionstherapie unterstützt, was für die Betroffenen psychisch und physisch gefährlich sein kann. Ebenfalls wettert sie nicht nur im homo-, sondern auch im trans*feindlichen Rahmen gegen „weltweite Trans-Lobby-Gruppen“, publiziert ebenfalls in rechtspopulistischen und AfD-nahen Medien.

    Im Rahmen unserer Demonstration für Akzeptanz und Vielfalt fanden sich zeitgleich zu der Veranstaltung, auf der Raedel und Kelle auftraten, 60 Menschen aus Darmstadt sowie dem Landkreis Darmstadt-Dieburg vor dem Theologischen Seminar Erzhausen zusammen. Dort wurde ab 14:30 Uhr friedlich gegen die queerfeindlichen Inhalte dieser Veranstaltung demonstriert. Die Demonstration wurde begleitet von mehreren Redebeiträgen.

    Jan Bambach, Beisitzer von vielbunt e.V., führte in die Veranstaltung ein: “Hassrede schafft nachweisbar eine Umgebung, in der trans* Personen entmenschlicht werden und als weniger respekt- und sicherheitswürdig angesehen werden.”

    Alice Dorothea Janssen, selbst eine trans* Person, kritisierte die Agenda der Veranstaltung, die Homosexualität und Genderqueerness als Sünde betrachten, und Enthaltsamkeit und Konversionstherapie fordern. Alice betonte die Wichtigkeit von Unterstützung, politischen Rahmenbedingungen und seelischem Beistand. “Wir hoffen immer noch, dass wir dieses Jahr ein Selbstbestimmungsgesetz bekommen, das uns einen Teil unseres Weges vereinfacht.”, sagte sie.

    Amelie Ludwig-Dinkel, Vorsitzender der SPDqueer Hessen-Süd, verurteilte die Diskriminierung von queeren und trans* Personen, und kritisierte die Handreichung des Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden, die unter anderem Geschlecht und geschlechtliche Identität mit sexueller Orientierung vermischt. Ludwig-Dinkel führte theologische Argumente an, um die Validität von nicht-binären Geschlechtern und Identitäten zu unterstreichen: “Gott ist nicht-binär, der Mensch war ursprünglich geschlechtslos und Adam und Eva sind eher zwei Ideen auf einem Spektrum.”

    Nach diesen Reden gab es spontane Redebeiträge einiger Demonstrationsteilnehmer*innen, die ihre Empörung und Betroffenheit über die von Raedel und Kelle verbreiteten queerfeindlichen Aussagen zum Ausdruck brachten. 

    Die Demonstration wurde auf dem Grundstück des Theologischen Seminars Erzhausen von einigen Personen rund ums Seminar beobachtet, diese sicherten ihr Grundstück ebenfalls mit einem Stück Flatterband ab. Im Rahmen der angemeldeten Demonstration begleiteten zwei Einsatzfahrzeuge das Geschehen.

    Wir bedanken uns bei allen Menschen die unsere Anliegen vor Ort unterstützt haben und damit dazu beitragen, dass unsere Region weiterhin ein vielbunter Ort bleibt.

    Jan Bambach – Einführung

    Mit Erschrecken haben wir festgestellt, dass am 11. März 2023 ein Studientag zum Thema „Transgender“ vom Bund Freikirch­licher Pfingst­gemeinden geplant ist. Als queerer Verein in Darmstadt mit über 400 Mitgliedern sind wir besorgt darüber, dass Personen, die bekannt sind für ihre queerfeindlichen und antifeministischen Ansichten sowie Aktivitäten, im Landkreis Darmstadt-Dieburg eine Bühne erhalten.

    Hintergrund ist die Vorstellung einer Handreichung des Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden zum Thema “Transgender und Kirche” mit ziemlich unschönen Stellen wie:

    „Gemeinden müssen über den konkreten Einzelfall hinaus und möglichst vor dessen Eintreten klären, wie sie Transgender-Personen ein Leben und eine Teilhabe in ihrer Gemeinschaft ermöglichen und ggf. fördern wollen und können.“ – was zeigt, dass trans* Personen nicht willkommen sind im Standardfall.

    Mit Passagen wie „Neben der Bedürftigkeit von Trangender-Personen müssen Gemeindeleitungen immer auch mögliche verstörende Rückwirkungen für die gesamte Gemeinschaft im Auge behalten“ wird zudem für Personen Rücksicht geboten, die trans*feindlich agieren.

    Das ist kein Versehen und es kann auch anders gehen. Die “Handreichung zum Umgang mit Transsexualität” der EKHN ist recht lesenswert, diese wurde mit trans* Personen ausgearbeitet, die im Gegensatz zu der BFP-Handreichung zu Wort kommen. Beim BFP ist scheinbar kein Wille da, nicht queerfeindlich zu agieren. Das sieht man daran, wer bei deren Veranstaltung redet:

    Die offizielle Seite der Veranstaltung kündigt an, dass bei dem dortigen anderthalbstündigen Podiumsgespräch Prof. Dr. Christoph Raedel und Birgit Kelle auftreten werden. Ebenfalls wird Prof. Dr. Christoph Raedel zusätzlich einen fast einstündigen Vortrag halten.

    Zwei Gründe, warum wir nicht miteinander reden, sondern eine Gegenveranstaltung organisieren:

    Es gibt immer mindestens zwei Seiten. Wer nur eine hört, hat sich schon entschieden! Die Haltung von Kelle und Raedel ist zutiefst menschenfeindlich. Sie sind in dieser Haltung nicht zu verändern, im Gegenteil, machen ja Werbung für diese. Dennoch sind sie die einzigen Teilnehmenden der Podiumsdiskussion.

    Ein verbaler Austausch würde einen Kompromiss benötigen, bei dem man aufeinander zugeht. Unsere Haltung ist, dass queere Menschen selbstbestimmt leben können sollten. Das ist für uns ein nicht verhandelbarer Grundsatz, von dem wir nicht abweichen werden und bei dem wir keine Kompromisse eingehen können. Deshalb die Gegenveranstaltung.

    Zu Prof. Dr. Christoph Raedel sei gesagt, dass dieser Homosexualität für eine Sünde und „unvereinbar mit der christlichen Lehre“ hält. Zusätzlich glaubt er an die „Veränderbarkeit sexueller Präferenzen“ und macht Werbung für das Unterstützen der Bestrebungen, die sexuelle Orientierung zu verändern. Wenngleich sogenannte Konversionstherapien bei Minderjährigen inzwischen verboten, sind sie leider allgemein noch verfügbar. Aus diesem Grund warnt das Bundesgesundheitsministerium vor diesen gefährlichen Praktiken.

    Birgit Kelle hat sich für eine Agenda eingesetzt, die Frauenrechte und die Rechte von LGBTQ-Gruppen bedroht und diskriminiert. Ihre Ansichten sind nicht in Übereinstimmung mit den Werten der Toleranz und Inklusion, die in unserer Gesellschaft so wichtig sind.

    Auf der Website des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland wird beschrieben: “Birgit Kelle ist Mitinitiatorin der sogenannten ‘Märsche für das Leben’, die sich gegen das Selbstbestimmungsrecht von Frauen richten. Sie organisierte die ‘Demo für alle’ gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg mit und veröffentlicht bis heute auf deren Blog. Kelle sucht die Nähe zu Institutionen der Neuen Rechten und ultrakatholischen Organisationen wie den Legionären Christi und veröffentlicht immer wieder in rechtspopulistischen und AfD-nahen Medien.”

    „Birgit Kelle sagt nicht einfach ihre Meinung, sondern macht aus Homophobie und dem Schüren von Vorurteilen, teilweise von purer Hetze, ein Geschäftsmodell“, kommentierte Norbert Blech bereits im Jahr 2015. Tatsächlich setzt sie diesen Trend seit mehreren Jahren, besonders im trans*feindlichen Spektrum, fort. So wettert sie gegen “weltweite Trans-Lobby-Gruppen” mit ihrer “Pippi-Langstrumpf-Ideologie”: “Jeder soll sein, wie er möchte, und niemand soll ihn davon abhalten”, sei deren Ziel. Sollte sich diese Trans-Lobby durchsetzen, so könne sich jede*r paaren und lieben, “egal mit wem und wie vielen […]”.

    Es ist nicht Mal ein halbes Jahr her, dass wir in Darmstadt auf die Straße gegangen sind, weil in Deutschland, in Münster, wieder eine trans* Person erschlagen wurde. Auch wir in Darmstadt blieben von gewalttätigen Fällen von Trans*feindlichkeit nicht verschont, wie Fälle der jüngsten Vergangenheit zeigten. Solche trans*feindliche Angriffe werden nachweisbar durch trans*feindliche Rhetorik befeuert, direkt wie indirekt:

    • Trans*feindliche Rhetorik kann dazu führen, dass diese damit normalisiert wird. Sie hat keinen Platz in unserer Gesellschaft.
    • Trans*feindliche Rhetorik kann einen unfassbaren psychischen Schaden verursachen: Angst, Depressionen, Selbsthass.
    • Hassrede schafft nachweisbar eine Umgebung, in der trans* Personen entmenschlicht werden, als weniger respekt- und sicherheitswürdig angesehen werden.

    Queerfeindlichkeit hat in unserer Gesellschaft und hier in Darmstadt-Dieburg keinen Platz. Solchen queerfeindlichen Aussagen stellen wir uns geschlossen entgegen. Hier und heute, im Alltag, und wieder in großer Menge auf unserem CSD Darmstadt im August. Danke fürs Kommen!

    Alice Dorothea Janssen – Rede

    Hallo, mein Name ist Alice und ich bin trans.

    Der Grund, warum ich heute hier draußen spreche und nicht da drinnen, ist der Gleiche wie so oft: Es wird über uns geredet und nicht mit uns. Aber warum sollte man das auch tun, wenn man eine Agenda hat? Diese Agenda kann man daraus ableiten welche Akteure sich unter ihr versammeln – und welche explizit nicht.

    Der Veranstalter, der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden, hat eine sehr wörtliche Bibelauslegung die Homosexualität und Genderqueerness als Sünde darstellt. Das betrifft unter anderem die Frage, ob Menschen wie wir an den gemeinschaftsstiftenden Ritualen dieser Religionsgemeinschaft teilhaben können. Natürlich ist die Antwort darauf keine enthusiastische Zustimmung. Wer möchte, kann sich diese sehr vorsichtig gerade so nicht explizit verneinende Haltung in deren Handreichung „Transgender und Kirche“ durchlesen. Aus diesem Verständnis von Sünde aus dem Deuteronomium des Alten Testamentes erwachsen auch Forderungen nach Enthaltsamkeit und Therapie.

    Unsere Identität als queer entspringt zu einem großen Teil der Frage, wen wir lieben, und dann sollen wir die Finger voneinander lassen? Und der zweite Teil unserer queerness betrifft die Frage, wer wir sind und dieses Selbst sollen wir uns wegtherapieren lassen?

    Vertreter dieser beiden Themen ist der eine Redner heute: Professor Raedel lehrt Theologie und steht hinter der Verfassung seiner Kirche, er kann die praktizierte Homosexualität nicht gutheißen und betrachtet diese Handlungsweise als unvereinbar mit der christlichen Lehre. Außerdem propagiert er die Konversionstherapie. Pray the gay away. Was mag dieser Professor da drinnen wohl über mich predigen? Wo auch immer er nach dem Tod landet, ich will woanders hin. Die Qualen mich selbst zu verleugnen und mein queer sein jeden Tag zu verstecken, möchte ich weder in diesem noch im nächsten Leben noch einmal erleben.

    Mein Verhältnis zu einer Religion, die der Meinung ist, dass ich zwar queer geschaffen wurde, ich aber dadurch eine besondere Prüfung bis an mein Lebensende zu meistern habe, um eine Chance aufs Paradies zu haben ist nicht die Beste. Und als Sünderin lasse ich mich auch ungern bezeichnen, denn Sünder sind moralisch Menschen zweiter Klasse, sie werden in diversen Weltanschauungen nicht nur als korrekturbedürftig angesehen, sie werden getötet. Und diese Handlungsweise ist zwar vielleicht nicht explizit christlich, aber sie steht dem Alten Testament nahe, es steht auch dem menschlichen Naturell nahe, etwas, was wir nicht gutheißen, entfernen zu wollen.

    Letztes Jahr wurde Malte am Rande eines CSD getötet, von einem Menschen, der wohl sein eigenes Schwulsein aufgrund seiner Religion nicht akzeptieren konnte. In GB wurde neulich eine junge trans Frau von ihren Altersgenossen ermordet. Und in Gods own Country marschieren Bewaffnete vor Dragshows auf oder wir sehen fassungslos auf Bilder einer weiteren Schießerei in einem queeren Club – angezettelt nicht von Menschen, die uns genug hassen, um uns zu töten. Ich möchte all jenen Religionsgemeinschaften die uns als Sünder sehen sagen: Ihr bereitet den Boden, auf dem die furchtbare Saat der Gewalt aufgeht.

    Und irgendwie passt dann wohl auch Birgit Kelle in den Reigen. Sie ist „Publizistin“, also eine Art Lobbyistin der eigenen Meinung. Die findet sich in allen rechtsgerichteten oder grad noch so konservativen Medien der Republik. Da findet sich ein Who is Who der Rechtspopulisten einträchtig neben Opus Dei. Diese Frau will mit ihrem „Marsch für das Leben“ der körperlichen Selbstbestimmung der Frauen den gleichen Riegel vorschieben wie die Bundesrichter in Amerika das letzte Jahr geschafft haben. Und ihre gemeinsam mit Beatrix der braunen Störchin organisierte „Demo für alle“ ist bei dieser Personalie eigentlich wenig verwunderlich eine „Demo für alle außer…“. Außer uns zum Beispiel. Da werden sich sehr viele Sorgen um transgender Personen gemacht.

    Wollen wir mal in das absurde Fabelreich hinabsteigen?

    Da gibt es die trans-Lobby. Das bin vermutlich ich, wie ich mit viel Geld der Pharmaunternehmen Pubertätsblocker und teure OPs verkaufen möchte. Klar doch. Die meisten unserer Medikamente sind spottbillig. Die Gewinnmarge von Hormonen ist kaum vorhanden, den Kram stellt in Deutschland niemand mehr her. Und wer sich eine große, schwere OP mit all den Schmerzen und Problemen zumutet, der tut das in der Regel nicht aus Spaß.

    Trans sein ist auch total trendy. Klar halse ich mir ein gesellschaftliches Stigma als Trend auf um cool zu sein. Brianna Ghey ist jetzt cool genug für die Leichenhalle. Wegen trendiger Sneaker werden weniger Menschen ermordet als wegen unserem trendigen Lifestyle. Aber ja, mehr Menschen finden den Mut sich zu outen und zu sich zu stehen. Es gibt einen Grund, warum ich erst so spät den Mut fand mich zu outen: Weil ich endlich an eine Community kam, die mich unterstützen konnte und ich konnte auch endlich positive Rolemodels finden. Vor zwanzig Jahren gab es das nicht. Trans war ich dennoch mein ganzes Leben, egal wie out ich war.

    Der nächste Mythos: Trans zu sein ist gefährlich, wir haben eine hohe Selbstmordrate. Nicht, weil wir trans sind und das doof wäre. Im Gegenteil, ich finde mein neues Leben als Frau sehr viel lebenswerter als den Mist davor. Aber die gesellschaftlichen Umstände, denen wir täglich begegnen verursachen uns Probleme. Vom Wunsch wieder zu detransitionieren weil wir mit dem Hass nicht mehr klar kommen über Depressionen bis hin zum Selbstmord. Nicht wir transidenten Menschen sind pervers, die gesellschaftlichen Umstände unter denen wir leben sind es.

    Vielleicht auch, weil wir Sünder*innen sind und uns keine Hoffnung zu machen brauchen, dass wir in Gott Verständnis und Frieden finden dürfen. Und weil Menschen die das glauben politisch agieren, in den sozialen Netzwerken ihren Hass multiplizieren oder uns ihre Gefühle für uns jeden Tag in der Öffentlichkeit spüren lassen.

    Ich habe schon ein paar Parallelen zu den USA gezogen. Nicht ohne Grund. Dort ist das Mutterland jener Verbindung aus evangelikaler Religiosität und rechtskonservativer Politik, die wir auch hier sehen. Wir passen nicht ins Konzept. Nicht in das des Alten Testaments und nicht in das einer stereotypischen gesellschaftlichen Mitte aus heterosexuellen Familien. Die Antworten, die wir aus dieser Ecke zu erwarten haben, sind klar: Wir sollen uns als Menschen zweiter Klasse einstufen die Vergebung brauchen, unser Selbst wegtherapieren lassen und brav im Gleichschritt dieser Möchtegern Faschisten mitmarschieren. Die amerikanischen Republikaner machen täglich vor, wie das dann politisch aussieht. Vom „don’t say gay“ Gesetz, das die Aufklärung Jugendlicher illegal macht über die Einschränkung von Bürgerrechten die Vornamens- und Personenstandsänderung betreffend bis hin zum Verbot medizinischer Maßnahmen.

    Der Faschismus hatte für uns wie für alle die nicht in sein Konzept passten eine finale Antwort. Die scheint einer Birgit Kelle ganz recht zu sein, wenn sie sich mit der blau-braunen Störchin verbündet, um gegen unsere Rechte zu agitieren.

    All die gutgemeinten Ratschläge, die diese Leute für uns haben machen für mich nur eines klar: Sie sind nicht die Lösung unserer Probleme – Sie sind das Problem!

    Aber ich möchte auch klar machen, wie Lösungen aussehen:

    • Wir brauchen Hilfe. Allein ist dieser Weg aus vielen Gründen schwierig. Wir treffen uns jeden dritten Sonntag im Monat, um uns gegenseitig eine Stütze zu sein. Wenn ihr betroffen seid, seid ihr willkommen, wenn eure Freunde betroffen sind: spread the word!
    • Wir brauchen Rahmenbedingungen von der Politik. Wir hoffen immer noch, dass wir dieses Jahr ein Selbstbestimmungsgesetz bekommen, das uns einen Teil unseres Weges vereinfacht.
    • Und auch wir brauchen manchmal seelischen Beistand. Hinter uns werden wir ihn nicht finden. Aber in Darmstadt gibt es christliche Gemeinden, die auch uns den Segen spenden und offen für uns sind. Und ja, auch für Muslime gibt es Gemeinden, die nicht dem homophoben Clichee entsprechen.

    Amelie Ludwig-Dinkel – Rede

    Diese Rede wird in den kommenden Stunden/Tagen nachgereicht.

  • Lesung: „Du musst mich schon so nehmen wie ich bin“

    Es gibt so viele Geschlechter wie es Menschen gibt. DasDieDer-Menschen lesen eigene und angeeignete Texte und teilen so ihre Gender-Dschungel-Erfahrungen.

    „Du musst mich schon so nehmen wie ich bin“ – Reise zum Selbst

    Die AIDS-Hilfe Darmstadt und der Verein vielbunt laden herzlich ein zur Lesung mit anschließendem Gespräch.

    16. September 2017 // 18.00 Uhr
    Queeres Zentrum Darmstadt
    Kranichsteinerstr. 81
    64289 Darmstadt

  • Trans* und Recht. Film – Vortrag – Austausch

    Die AIDS-Hilfe Darmstadt e.V. und vielbunt e.V. laden am Donnerstag, 7. Juli 2016, zm Informationsabend „Trans* und Recht“ mit Film, Vortrag und Austausch ein. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im TIP, Theater im Pädagog, Pädagogstraße 5, Darmstadt und richtet sich vor allem an Trans*Menschen, aber auch Allies, Multiplikator_innen, Berater_innen und Interessierte sind herzlich willkommen.

    Der Abend beginnt um 19 Uhr mit einem filmischen Input; ausgewählte Passagen aus dem Film „Transamerica“ weisen auf Herausforderungen hin, denen Trans*Personen begegnen können. Es folgt ein informativer Vortrag in dem, neben rechtlichen Aspekten, auch Unterstützungsstrukturen und die Vielfalt von Geschlechterrollen aufgezeigt werden. Der Referent Till Randolf Amelung ist GenderforschTransRechtBilder und im Vorstand des Landesverbandes für transgeschlechtliche Selbstbestimmung in Niedersachsen. Ein entspanntes Get-Together beendet die Veranstaltung.

    Hintergrund: Menschen die am Anfang ihrer Trans*biografie stehen haben häufig wenige Kenntnisse über juristische und bürokratische Aspekte ihrer Situation. Auch können die Fortschritte einer Transition ins Zielgeschlecht durch rechtliche Hürden gebremst werden. Der von der AIDS-Hilfe Darmstadt und vielbunt konzipierte Abend stellt Informationen für Trans*Personen und für ein interessiertes (Fach)Publikum bereit, zeigt lokale sowie bundesweite Beratungs- und Vernetzungsstrukturen auf und macht das Thema Trans* in der Öffentlichkeit sichtbarer.

    Die Veranstaltung ist kostenfrei und wird aus Landesmitteln des Aktionsplans für Akzeptanz und Vielfalt gefördert.

    Weitere Informationen: Dr. Yvonne Bach
    AIDS-Hilfe Darmstadt e.V.
    Elisabethenstr. 45
    64283 Darmstadt

    Tel. 06151 280 73
    Fax 06151 280 76
    E-Mail: yv.bach@darmstadt.aidshilfe.de

    Hier geht es zur Veranstaltung bei facebook.

    Der Flyer hier zum Download: Trans-und-Recht-Flyer

     

     

  • „Frau werden“ mit Rosa Opossum

    Frau werden dauert 30 Minuten.
    – Oder ein ganzes Leben.

    Frau werdenDer Internationale Frauentag regt dazu an, über Frauenthemen nachzudenken und zu sprechen. Jenseits der feministischen Diskurse möchten wir uns der Sache von einer anderen Seite nähern. Wie hart sind eigentlich die Grenzen zwischen Mann und Frau, was macht eine Frau zu einer Frau und wie macht frau sich zur Frau? Diese Fragen stellt Rosa Opossum, Drag Queen und Tunte aus Darmstadt, in ihrem Vortrag über die Herstellung und die Auflösung von Geschlecht. Was ist eigentlich der Sinn von Drag Queens? Wieso hat Conchita Wurst einen Bart und ist Frau sein eigentlich Arbeit?
    Diesen und weiteren Themen kann auch in der anschließenden offenen Diskussion auf den Grund gegangen werden. Wir freuen uns auf einen unterhaltsamen und aufschlussreichen Abend mit vielen Gästen.
    Freitag, 6. März 2015 // 19.30 Uhr
    Mehrgenerationenhaus Darmstadt
    Julius-Reiber-Straße 22
    Eintritt frei!