Pressemitteilungen

Sam wurde nach Jamaika abgeschoben

Im vergangenen Winter ist ein 29-jähriger Mann aus Jamaika in der
Erstaufnahmeeinrichtung in Darmstadt gelandet. Er hat sein Heimatland verlassen müssen, weil der Karibikstaat eines der homofeindlichsten Länder der Erde ist. In Deutschland suchte er Schutz und hoffte auf ein freies Leben als schwuler Mann.

Kurz nachdem Sam* zu uns Kontakt aufgenommen hatte, wurde er auch schon wieder weiterverteilt. Aus der Erstaufnahme in Darmstadt erhielt er einen Transfer in die Nähe von Marburg. Wir konnten ihm Kontaktadressen in der Region nennen. Der Rainbow Refugee Support in Marburg hat ihn weiter betreut und begleitet. Zwar konnten wir Sam nicht mehr treffen, jedoch hielt er den Kontakt über Sprach- und Textnachrichten weiter aufrecht.
So haben wir auch schnell erfahren, dass sein Asylantrag abgelehnt wurde. Er hat sich juristischen Beistand geholt und gegen die Ablehnung geklagt.

Jamaika ist für Touristen der Himmel und für Schwule die Hölle

Wir haben ihm die Daumen gedrückt und auf eine positive Entscheidung des Verwaltungsgerichts gehofft. Dass Jamaika kein sicheres Land für Homosexuelle ist, ist durch zahlreiche Reports von Amnesty International, der US-Regierung und auch durch Hinweise des Auswärtigen Amts erwiesen. Immer wieder lesen wir Nachrichten von Überfällen und Mordanschlägen auf sexuelle
Minderheiten. Jamaikanische Sänger rufen in ihren Liedtexten und auf Konzerten dazu auf, Schwule zu jagen und zu verbrennen. Auch schwule Jamaikaner, die wir bisher in unserer Arbeit getroffen haben, haben gewalttätige und mörderische Angriffe überlebt oder ihnen nahestehende Menschen verloren. Ein Mann aus Kingston sagte uns: „Jamaika ist für Touristen der Himmel und für Schwule die Hölle.“

Mitte April wurde Sams Klage abgewiesen. Wir selbst haben das Urteil nicht gelesen, aber Sam hat uns angerufen und erzählt, dass das Gericht ihm nicht glaubte, als er die Situation von Homosexuellen in Jamaika geschildert hat. Man sagte ihm, er würde übertreiben.

Sam

Von der Polizei eingetretene Zimmertür

Seither verbrachte Sam die Tage und vor allem Nächte in ständiger
Anspannung. An einem Tag schickte er uns Fotos von der vollkommen demolierten Zimmertür seines Nachbarn, der ebenfalls aus Jamaika nach Deutschland geflüchtet war. Mitten in der Nacht sei die Polizei gekommen, um ihn für die Abschiebung abzuholen, hat dabei die Tür eingetreten und alle in Panik versetzt. Auch Sam wurde klar, dass es ihn ebenso jederzeit treffen konnte.

In einem Telefonat mit uns hat er irgendwann nicht mehr sprechen können und begonnen zu weinen. Minutenlang konnte auch unser ehrenamtlicher Supporter nichts mehr sagen. Es fehlten die Worte.

Im Hintergrund wurde derweil eiligst daran gearbeitet, die nächsten
rechtlichen Schritte zu gehen. Auch wir haben recherchiert und eine
Stellungnahme verfasst. Sam sollte in Deutschland bleiben.

Heute Vormittag um kurz nach 11 Uhr hat die Polizei Sam überraschend in der Gemeinschaftsunterkunft aufgesucht. Nichts hat zuvor darauf hingewiesen, dass er heute abgeschoben werden würde. Er hat keine Ausreiseaufforderung erhalten, er wusste nicht, dass er an diesem Tag zurück nach Jamaika gehen muss.
Noch während er notdürftig einige Sachen packte, hat er alle informiert, was gerade passiert Auch uns hat er geschrieben. Er hoffte, dass wir noch irgendetwas tun können. Während er mit einem Bus zum Frankfurter Flughafen gebracht wurde, reichte sein Anwalt neue Eilanträge bei Gericht ein, die die bevorstehende Abschiebung am Nachmittag vielleicht noch abwenden könnten. Wir haben ihn daran erinnert, wie der Abschiebeversuch von Emile verlaufen ist. Auch die Flughafenseelsorge wurde vom Rainbow Refugee Support  in Marburg informiert. Wenigstens sollte der Vorgang beobachtet werden, wenn den Flüchtlingshelfer_innen schon die Hände gebunden waren.

Ich kann nicht zurück nach Jamaika gehen

Sam saß alleine im Bus auf dem Weg zum Flughafen und fragte per
Textnachricht, was nun passieren wird. Er sagte: Ich kann nicht zurück nach Jamaika gehen. Eine ewige Stunde lang haben wir nichts von ihm gehört. Das nächste Mal meldete Sam sich aus dem Flugzeug. Er hat es nicht geschafft, sich bemerkbar zu machen. Er konnte niemandem um ihn herum bitten, ihm zu helfen. Die Resignation und Hilflosigkeit hat ihn gehindert, die letzte, wenn auch kleine Chance zu nutzen, seine Abschiebung doch noch zu verhindern.

Wir sind sicher, dass über seinen Fall in der folgenden Instanz positiv beschieden worden wäre, hätte man ihn nicht vorher eiligst abgeschoben . Wir beobachten in der letzten Zeit eine rasante Beschleunigung der Verfahren. Sobald es zu Ablehnungen kommt, werden Menschen innerhalb kürzester Zeit ohne Vorwarnung abgeholt und zum Flughafen gebracht. Wo zuvor noch Monate Zeit waren, sich auf Klageverfahren vorzubereiten, die dann letztendlich auch erfolgreich waren, werden abgelehnte Asylsuchende mittlerweile innerhalb kürzester Zeit abgeschoben.  Niemand kann innerhalb weniger Tage  neue Hinweise und Argumente recherchieren, die dann letztendlich zu einer positiven Entscheidung führen.

Hier erkennen wir ein System, das vor allem darauf setzt, Ablehnungen schnell durchzuziehen und Menschen in gefährliche Länder und Regionen zurückzuschicken, bevor sich sich gegen das Unrecht das gesprochen wurde zur Wehr setzen können.

Ständig werden mit Leistungskürzungen, nicht versandten Ausreiseaufforderungen, Hausarrest und solchen überfallartigen Abschiebeaktionen neue Formen gesucht, asylsuchende Menschen eine faire Behandlung zu verwehren und sie so schnell es geht abzuschieben. Wir verurteilen diese Asylpolitik, die sich uns vor allem als Abschiebepolitik darstellt. Die in allen Aspekten schwache Position Geflüchteter in Deutschland wird ausgenutzt, um Akten schnell zu schließen. Dass Schutzbedürftige in diesem in unseren Augen unrechten Vorgehen ihrem Schicksal überlassen werden, ist für uns ein beschämender und skandalöser Vorgang.

Heute Nachmittag um 14.30 Uhr ist ein Flugzeug von Frankfurt nach Jamaika gestartet. Ein schwuler Mann sitzt darin, auf dem Weg in homofeindlichste Land der Karibik. Wir fragen uns, wie Behörden und Gerichte eine solche Entscheidung treffen können.

Wir versuchen weiter Kontakt zu Sam zu halten und ihn von hier aus zu unterstützen. Da das für uns der erste Fall einer vollzogenen Abschiebung ist, müssen wir nun zunächst herausfinden was wir tun können. Aber wir bleiben dran.

Wir sind weiter entschlossen, geflüchteten Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Trans* mit allen Mitteln zu helfen.
Ihre Herkunftsländer sind nicht sicher, ihre Abschiebungen sind Unrecht.

 

*Wir haben den Namen geändert

IDAHOBIT 2018 in Darmstadt

Auch in diesem Jahr wollen wir den 17. Mai als Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Trans- und Interfeindlichkeit (IDAHOBIT) mit einer Kundgebung in der Innenstadt begehen.

Während sich die Situation sexueller Minderheiten in Deutschland gerade in letzter Zeit spürbar verbessert hat und man auf den sommerlichen CSD-Demonstrationen oft gerne positive Bilder vermitteln will, wollen wir bei unserer Demonstration am IDAHOBIT auf Missstände hinweisen und die Diskriminierung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Intersexuellen und Trans* thematisieren.

Auch in diesem Jahr steht der IDAHOBIT unter einem Thema, das die Community in Darmstadt besonders beschäftigt. Angesichts der wachsenden Zahl an abgelehnten Asylanträgen von verfolgten LSBTI Geflüchteten und jüngster Versuche, einzelne von ihnen unvermittelt abzuschieben, konzentrieren sich die Kundgebungsbeiträge dieses Jahr auf Rainbow Refugees und internationale LSBTI-Verfolgung.

Wir wollen gemeinsam mit allen Unterstützer_innen auf dem Luisenplatz für eine weltoffene Gesellschaft und ein Ende der Verfolgung sexueller Minderheiten demonstrieren.

Wir rufen alle trans*, lesbischen, bisexuellen, inter*, schwulen, queeren und heterosexuellen Menschen auf, ein sichtbares und hörbares Zeichen gegen Diskriminierung sexueller Minderheiten und Rassismus zu setzen und am 17. Mai um 17.30 Uhr zum Darmstädter Luisenplatz zu kommen.

Sagt es auch euren Freund_innen, Bekannten und Familienmitgliedern weiter!

Hier geht es zur Veranstaltung bei Facebook! Teilnehmen und Leute einladen!

Und weil es mittlerweile Tradition hat:
Nach den Redebeiträgen werden wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, traditionell einen schmissigen Hit abzuspielen, zu dem man sich umarmen, küssen, die Hand geben oder freundlich zunicken kann.

Emile soll nicht abgeschoben werden!

Am heutigen Montag, den 26. März wurde ein von uns betreuter schwuler Mann aus Nigeria überraschend von der Polizei aus der Darmstädter Erstaufnahme mitgenommen und zur Abschiebung geführt. Über mehrere Stunden wussten weder wir noch sein Partner, mit dem er gemeinsam die Flucht nach Europa angetreten hatte, wo er sich befindet, wohin er gebracht wird und wie es ihm ging.

In Nigeria ist Homosexualität illegal. Das Strafgesetz sieht eine Gefängnisstrafe von bis zu 14 Jahren vor, in den nördlichen Bundesstaaten droht mit der Schari’a zudem die Todesstrafe (Tod durch Steinigung).  Selbst die Betätigung in Gruppen, die sich für Gay Rights oder HIV-Prävention einsetzen, wird mit bis zu 5 Jahren Haft bestraft. Amnesty International berichtet, dass im Sommer letzten Jahres 42 Personen verhaftet wurden, weil sie bei einem HIV-Interventionsprogramm teilgenommen haben. Die Betroffenen wurden nicht nur durch die Behörden bestraft, sondern auch von der Polizei den Medien vorgeführt. Diese öffentliche Bloßstellung kommt einer Freigabe zum Abschuss gleich. Die nigerianische  Bevölkerung ist extrem homofeindlich eingestellt und sieht sich nicht zuletzt durch staatliche und religöse Ächtung sexueller Minderheiten zur Lynchjustiz berechtigt.

Da sie diese Zustände nicht mehr aushalten konnten, sind Fabrice und Emile* aus Nigeria geflüchtet. Sie haben sich als Paar entschieden, ihre Heimat zu verlassen, um in Deutschland frei und sicher leben zu können. Sie wünschten sich ein Leben, in dem man sie für ihre Liebe weder verachtet, noch einsperrt oder tötet. emile

Die beiden jungen Männer sind im Winter in Darmstadt angekommen und haben sich sofort bei vielbunt gemeldet.  In mehreren Treffen konnten wir sie kennenlernen, ihnen beim Ankommen in Darmstadt weiterhelfen. Bei Unsicherheiten standen wir ihnen zur Seite und so manche Ängste konnten wir ihnen nehmen. Auch wenn sie sich gerade erst in der Erstaufnahmeeinrichtung befanden, haben wir dennoch sehr gehofft, dass ihre Anhörung zu einem positiven Ergebnis führt und beide in Deutschland, bestenfalls bei uns in Darmstadt bleiben können. vielbunt hat seit 2015 sehr viele LSBT Geflüchtete und deren Schicksale kennengelernt. Dennoch ist die Aussicht darauf, dass Menschen in Länder abgeschoben werden, in denen sie keine Zukunft haben und um ihre Sicherheit bangen müssen, für uns jedes Mal schockierend.

Die Polizei kam um 5.00 Uhr morgens

Ebenso erschreckend ist die Art und Weise, wie im Asylverfahren mit Geflüchteten insgesamt und LSBT Geflüchteten im Speziellen umgegangen wird.  Emile und Fabrice haben, kaum in Deutschland angekommen, sofort einen Ablehnungsbescheid erhalten. Eine Darstellung ihrer Fluchtgründe und ihrer individuellen Biografien war nicht möglich. Die Tatsache, dass sie als Schwule besonderer Verfolgung ausgesetzt sind, wurde schlicht nicht berücksichtigt.  Die beiden mussten sich einen Anwalt nehmen und sofort Widerspruch gegen diese pauschale und ungerechtfertigte Ablehnung einlegen.

Heute früh um 5.00 Uhr kamen insgesamt vier Polizeibeamte in die Erstaufnahmeeinrichtung in Darmstadt um Emile abzuholen. Sie klopften an und betraten ohne abzuwarten das Zimmer. Sie fragten, wer von den Anwesenden Emile sei und teilten ihm mit dass er unverzüglich nach Italien abgeschoben wird. Er hatte zwei Minuten Zeit, um seine Sachen zusammenzusuchen. Ihm wurde nicht erlaubt, sich von seinem Partner Fabrice zu verabschieden. Ihm wurde auch zunächst nicht gestattet, seinen Anwalt zu kontaktieren. Dann ging es weiter zum Polizeirevier Darmstadt. Bevor er das Gebäude betreten durfte, wurden Emile Handschellen angelegt. Auch im Polizeirevier war er die ganze Zeit an einen Stuhl gefesselt. Hier wurde ihm dann gestattet, seinen Anwalt anzurufen, den er um diese Uhrzeit nicht erreichen konnte. Im Polizeirevier wurde Emile auch sein Handy abgenommen. Dann wurde er an den Flughafen gebracht und dort wieder in Handschellen gelegt. Als er das Flugzeug betrat, sagte Emile laut, dass er nicht freiwillig nach Italien fliegen will. Daraufhin wurde ihm von den Polizeikräften gedroht, dass er ins Gefängnis müsse, wenn er nicht fliegt.

Der Pilot bot an, Emile ein Ticket nach Darmstadt zu kaufen. Denn mitnehmen wollte er ihn nicht.

Die Polizei hat Emile daraufhin wieder mitgenommen und ohne ein weiteres Wort am Darmstädter Hauptbahnhof abgesetzt. Seine noch gültige Aufenthaltsgestattung wurde ihm von der Polizei nicht wieder ausgehändigt.

In der ganzen Zeit konnten wir Emile nicht erreichen. Genauso wie  Fabrice wussten wir nicht, wie es Emile geht, wo er sich befand und wohin man sich wenden soll. Fabrice war verzweifelt und wir können ihm nicht helfen.
Nachdem man ihm sein Handy abgenommen hat, konnten weder sein Anwalt, noch seine Sozialarbeiter_innen oder wir Emile erreichen. Niemand konnte ihm raten, nicht in das Flugzeug zu steigen. Das hätten wir nämlich auf jeden Fall getan. Nur durch Emiles mutigen passiven Widerstand und das resolute Agieren des Piloten konnte diese Abschiebung abgewandt werden!

Alle Rainbow Refugees die wir betreuen und begleiten, kommen aus Ländern in denen sie wegen ihrer Homosexualität um ihre Sicherheit fürchten müssen. Wir wollen niemanden in ein solches Leben zurück gehen lassen. Eine Abschiebung nach Italien würde uns die Chance nehmen, uns mit unseren ohnehin geringen Handlungsmöglichkeiten für Emile einzusetzen.

Flucht ist kein Verbrechen

Und auch für uns stellt sich nun ein Gefühl der Hilflosigkeit ein. Dabei sind wir die, die Unterstützung und Halt bieten sollten.

Wir verurteilen die skandalöse Art und Weise, wie mit den Menschen verfahren wird, denen in ihren Herkunftsländern soziale Ächtung, Gefängnis und Tod drohen. Wir stellen uns gegen eine Asylpolitik, die vor allem auf Ablehnungsbescheide und Abschiebungen fokussiert ist, statt auf individuelle Schicksale und Fluchtursachen. Jeder Mensch, der Schutz in Deutschland sucht, verdient ein faires Verfahren, in dem er seine Fluchtgründe und seine persönliche Biografie darstellen kann. Egal woher er kommt und über welches Land er eingereist ist.

Wir verurteilen ebenso die überfallartigen Abschiebe-Kommandos, die Menschen in ihren Unterkünften aus den Betten holen und wie Kriminelle abführen.  Flucht ist kein Verbrechen!

Emile und Fabrice, zwei junge Männer von 23 und 22 Jahren haben als Paar eine gefährliche Flucht nach Europa auf sich genommen, die viele Menschen nicht überlebt haben. Sie sind mit einem Boot in Italien angekommen und haben es bis nach Deutschland geschafft, weil sie sich gegenseitig hatten. Auch in Darmstadt gab es nur Emile und Fabrice. Sie hatten nur sich.
Wir verurteilen das grausame Auseinanderreißen von Paaren und (Wahl-)Familien. Unsere Leute brauchen sich!

Uns bleibt keine Zeit, den Schock zu verarbeiten. Wir sind heute zum ersten Mal unmittelbar mit der Abschiebung eines von uns betreuten Rainbow Refugees konfrontiert.  Auch wenn Emile jetzt gerade wieder zurück gekommen ist, wissen wir, dass er jederzeit wieder abgeholt werden kann.

Wir stehen vergleichsweise hilflos da, können momentan weder Trost noch Rat bieten. Dabei ist auch das eine unserer wichtigsten Aufgaben als Rainbow Refugee Supporter.
Wir haben vor zwei Jahren begonnen, LSBT Geflüchtete in Darmstadt und Umgebung zu unterstützen. Wir sind fest entschlossen, alles dafür zu tun, dass unsere Leute bleiben können. Mit dem heutigen Tag noch mehr denn je!

Wir bitten alle, die wissen wie man hier konkret helfen kann, sich bei uns zu melden.

Kontakt:
Stefan Kräh
vielbunt e. V. | Rainbow Refugees Darmstadt

0176-62573994
stefan.kraeh@vielbunt.org

 

 

 

*  Namen geändert, um die Sicherheit der Betroffenen nicht zu gefährden.

Wir sind Abonnent von queer.de geworden

Queer.de liefert seit 15 Jahren bundesweite und internationale Nachrichten aus Szene, Kultur und Politik.
Für uns ist queer.de eine der wichtigsten Nachrichtenquellen überhaupt.

Die Redakteure beobachten Debatten im Bundestag ebenso wie die Umtriebe der sogenannten „Demo für Alle“. Wenn Parlamentsabstimmungen zu LGBT-Themen anstanden, wussten wir das als erstes von queer.de, wenn unsere Gegner_innen wieder eine Beleidigung von sich gegeben haben, oder neurechte Vereinigungen Aufmärsche organisieren,  können wir das Nötige dazu mit Sicherheit auf queer.de lesen.
Die Berichterstattung über die Einführung des Gesetzes gegen die sogenannte „Homopropaganda“ in Russland und die mörderische Verfolgung von Schwulen in Tschetschenien waren für unsere Arbeit unheimlich wichtig, haben uns aufgerüttelt und zum Handeln motiviert. Ebenso zeigte sich hier, wie wichtig queer.de ist: Kaum eine Zeitung oder Online-Zeitung hat so frühzeitig und umfassend berichtet. Es kam uns wie eine Ewigkeit vor, bis nach der ersten queer.de-Meldung zur staatlich organisierten Schwulenermordung in Grosny auch die deutschsprachigen Mainstream-Medien berichteten.

Nun droht dem schon immer chronisch unterfinanzierten News-Portal die Zahlungsunfähigkeit. Genauso wie viele LGBT-Magazine in der Vergangenheit verschwunden sind, könnte auch queer.de dieses Schicksal ereilen, wenn ihnen niemand unter die Arme greift.
Die Vorstellung auch diese Onlinezeitung zu verlieren, hat uns alarmiert.
queer.de
Auch wenn der Untertitel „Zentralorgan der Homo-Lobby“ wahrscheinlich eher scherzhaft ist: das Redaktionsteam macht ihm alle Ehre. Gerade jetzt mit einer explizit LGBT-feindlichen Partei im Bundestag und vielen Landtagen muss die Community breit aufgestellt sein. Es braucht nicht nur aktivistische, sondern auch journalistische Arbeit.
Wir wollen auch weiterhin schnell und gut informiert sein, wir wollen dass queer.de weiter besteht und wir wollen unseren Teil dazu beitragen.
Deshalb ist vielbunt heute Abonnent_in von queer.de geworden.

Das hat nur fünf Minuten gedauert und fühlt sich extrem richtig an.

Wir hoffen, dass viele weitere Organisationen ebenfalls Abonnent_innen werden, wenn sie es nicht bereits sind. Viel mehr noch: Wir rufen sogar aktiv dazu auf. Schließt Abos ab! Wir brauchen queer.de und queer.de braucht jetzt auch uns.

Sechstkleinste AIDS-Gala der Welt

Sechskleinste AIDS-Gala der Welt zum Welt-AIDS-Tag

vielbunt und die AIDS-Hilfe Darmstadt veranstalten am Freitag, dem 01.12.2017 zum sechsten Mal gemeinsam eine etwas andere AIDS-Gala

Die sechstkleinste AIDS-Gala der Welt präsentiert bekannte Künstler_innen und neue Talente verschiedenster Genres für den guten Zweck in der Oetinger Villa.
Wie auch in den vergangenen Jahren organisieren vielbunt und die AIDS-Hilfe Darmstadt gemeinsam eine außergewöhnliche Spenden-Gala zum Welt-AIDS-Tag.

Die Veranstalter_innen bleiben dem alternativen Charakter der letzten Jahre treu: Professionelle Bands und Newcomer_innen wechseln sich im Programm ab und versprechen einen vielfältigen Abend für den guten Zweck. Verstörung, Verzauberung, Chic und Rebellion treffen an diesem Abend aufeinander. Nicht zuletzt verkörpert durch die schonungslose Moderatorin des Abends: Drag Queen und Polit-Tunte Rosa Opossum stellt sich auf volle Ränge und ein wie immer spendables Publikum ein: „Ich kenne einige Leute, die HIV-positiv sind. Manche von ihnen haben es mir gesagt, andere nicht. Bei unserer Gala Spaß zu haben und dafür auch Geld zu spenden, bedeutet vor allem, sich zu solidarisieren und gemeinsam Stigmatisierung abzubauen. HIV hat durch medizinische Behandlungsmöglichkeiten seinen Schrecken beinahe verloren. Betroffene dürfen aber nicht weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.“

Solidaritätsveranstaltung mit Kultcharakter

„Uns, den Mitarbeiter_innen der AIDS-Hilfe Darmstadt, bereitet es jedes Jahr große Freude gemeinsam mit vielbunt und vielen Ehrenamtlichen anlässlich des Welt-Aids-Tages diese bunte Traditions-Gala zu gestalten. Mit dieser Veranstaltung können wir vielen Gästen einen abwechslungsreichen Abend bieten und gleichzeitig die Öffentlichkeit auf das Themsechstkleinste aidsgalaa HIV und Aids aufmerksam machen. In unserer Arbeit in der Beratungsstelle erfahren wir Tag für Tag, wie die Stigmatisierung in der Gesellschaft Menschen mit HIV und Aids auch heute noch trifft und auch, dass eine HIV-Infektion häufig mit Armut einhergeht, die die Menschen weiter an den gesellschaftlichen Rand drängt. Daher freuen wir uns sehr über Spenden und garantieren, dass die Gelder direkt und unbürokratisch bei unseren Klientinnen und Klienten ankommen, bei denen nämlich, wo sie wirklich dringend benötigt werden“ erklärt Dr. Yvonne Bach, Geschäftsführerin der AIDS-Hilfe Darmstadt.

Die Organisator_innen versprechen Live-Musik, Tombola, Travestie, Kabarett und Anarchie für den guten Zweck: Sämtliche Gewinne der Veranstaltung kommen den Klient_innen der Aids-Hilfe Darmstadt e.V. zugute.
Die sechstkleinste AIDS-Gala der Welt findet am Welt-AIDS-Tag statt. Weltweit erinnern jährlich am 1. Dezember verschiedenste Organisationen an das Thema HIV/AIDS und rufen dazu auf, aktiv zu werden und Solidarität mit HIV-Infizierten, an AIDS Erkrankten und den ihnen nahestehenden Menschen zu zeigen.

Sechstkleinste AIDS-Gala der Welt
01.12.2017 / 19.00 Uhr
Oetinger Villa (Kranichsteiner Str. 81, 64289 Darmstadt)
Eintritt: gegen Spende

Telefon vielbunt: 06151-3534346
Telefon AIDS-Hilfe: 06151 – 28073
stefan.kraeh@vielbunt.org, yv.bach@darmstadt.aidshilfe.de

Deine AIDS-Gala braucht dich!

Das Queere Zentrum wird eröffnet

In den Räumen der Oetinger Villa eröffnet vielbunt am 27.05.2017 das erste Queere Zentrum in Darmstadt. vielbunt ist bereits seit Januar kontinuierlich mit der Renovierung der Räumlichkeiten beschäftigt, um queeren Menschen zukünftig einen Ort in der Stadt zu bieten.

Ab dem 27. Mai öffnet das Queere Zentrum in der Oetinger Villa in

der TräEröffnunggerschaft des Vereins vielbunt seine Türen für eine breite Zielgruppe. Die Angebote des Vereins richten sich an Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans* und intersexuelle Menschen in Darmstadt und Umgebung.

Am Nachmittag werden stellen die Veranstalter_innen die neuen Räume Vertreter_innen aus Politik und Presse vor und laden gleichzeitig die Unterstützer_innen der letzten Jahre ein, gemeinsam die Eröffnung des neuen Zentrums zu feiern.

 Ab 22 Uhr steigt die öffentliche Opening Party im Keller der Oetinger Villa. Feierwillige Menschen sind herzlich eingeladen, gemeinsam das Ergebnis monatelanger Anstrengungen zu feiern.

Erweiterung und Professionalisierung

Zukünftig soll vom Queeren Zentrum aus auch die Arbeit von vielbunt koordiniert werden. vielbunt arbeitet weitgehend ehrenamtlich; organisiert jährlich die Kundgebung zum Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie, den Christopher-Street-Day im August, die AIDS-Gala zum Welt-AIDS-Tag und weitere kulturelle und politische Veranstaltungen. Neben aktiver Flüchtlingsarbeit, leistet die Organisation auch Aufklärung über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt an Schulen und bietet Gruppenangebote z.B. für trans*
Menschen oder Familien mit trans* Kindern an. Seit Januar dieses Jahres sind ehrenamtlich Aktive und Nutzer_innen der vielbunten Angebote partizipativ mit der Renovierung der Räume in der Oetinger Villa beschäftigt gewesen.
Mit der Eröffnung am 27.05. erfüllt sich auch der lang gehegte Wunsch nach einer erweiterten Jugendarbeit mit offenem Jugendtreff für queere Menschen bis 27 Jahre.
Darüber hinaus bietet der Verein nun qualifizierte Beratung bei Fragen und Unsicherheiten zu sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität, insbesondere für junge Menschen an. Auch die Beratung und Begleitung von geflüchteten Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trans* wird durch die feste Anlaufstelle mit Bürozeiten professionalisiert.
Das offene Angebot für queere Jugendliche ist dienstags, donnerstags und freitags jeweils von 16 – 20 Uhr geöffnet.
Die Beratung ist während der Bürozeiten erreichbar.

Pressemitteilung gegen das Symposium der Demo für Alle

Als Teil des Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt veröffentlichen wir die gemeinsame Pressemitteilung von über 100 Bündnisorganisationen.

Wir wollen keine Veranstaltung dulden, auf der Sex tabuisiert wird, homofeindliche und transfeindliche Thesen propagiert werden und man uns für krank erklärt.
Kommt am 06.05.2017 mit uns nach Wiesbaden!
Gemeinsamer Treffpunkt um 08.30 Uhr am Bahnsteig.

Gemeinsame Presseerklärung

Schon 2016 stellten sich im Rahmen des Bündnisses für Akzeptanz und Vielfalt etwa 3.000 Personen aus der Wiesbadener Stadtgesellschaft und darüber hinaus gegen die populistischeHetze und bürgerlich verpackte Diskriminierung der sogenannten „Demo für alle“. Diese hat ihren Ursprung in der französischen Bewegung „Manif pour tous!“ und wird in Deutschland aus AfD-nahen Kreisen organisiert. Dabei setzt man, trotz anderslautender Lippenbekenntnisse in der Öffentlichkeit, auf die Unterstützung durch Organisationen wie NPD, Der III. Weg und Identitäre Bewegung, welche dem äußerst aggressiven rechten Rand der Gesellschaft zuzuordnen sind.

Nun möchten dieselben Organisatoren am 06. Mai 2017 ein Symposium rund um das Thema „Sexualpädagogik der Vielfalt – Kritik einer herrschenden Lehre” in einem der Wahrzeichen unserer Stadt stattfinden lassen: Im Kurhaus Wiesbaden.
Hierbei handelt es sich um einen Veranstaltungsort, der sich durch  vereinende und traditionelle Veranstaltungen wie der Ballnacht der AIDS-Hilfe Wiesbaden und zahlreiche Kunst- und Kulturveranstaltungen auszeichnet, die die gesellschaftliche Vielfalt dieser Stadt proklamieren. Es sollte weder hier noch anderswo einen Ort für pseudowissenschaftliche Vorträge und gezielte  Desinformation auf Kosten von gesellschaftlichen Gruppen geben.
Am 06.05. werden Redner auf dem Podium stehen, welche die sogenannte „Homoheilung“, also Therapien zur angeblichen Heilung der Homosexualität, befürworten und offen für eine flächendeckende Diskriminierung werben. Dabei sprechen sie zwar von Kinderrechten und Familienwerten, schränken jedoch das Recht auf Wissen und Aufklärung ein und wollen tausenden fürsorglichen Eltern den Familienstatus aberkennen.

 

„Als Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt, unter dessen Namen im vergangenen Oktober über 100 Organisationen für eine  diskriminierungsfreie Gesellschaft auf die Straße gingen, werden wir auch diesmal wieder vor Ort sein und zeigen, dass unsere Gesellschaft vielfältig, bunt und offen ist. Wir sind bereit, diese Werte gegen jede Art von Angriff zu schützen“, kündigt Manuel Wüst, 1. Vorsitzender des initiierenden Vereins Warmes Wiesbaden e.V., an.
Das Bündnis lädt daher zwischen 10:00 Uhr und 12:00 Uhr zu einem Regenbogenfest direkt vor dem Kurhaus ein. Mit Frühschoppen, Kinderprogramm und kurzen Reden wollen wir alle gemeinsam ein buntes Zeichen setzen. Es wird um Selbstversorgung gebeten.

 

Ergänzende Informationen:
Der 2016 eingeführte Lehrplan zur Sexualerziehung in Hessen rief umgehend Stimmen aus der rechten Szene um die berüchtigte  sogenannte „Demo für alle“ auf die Tagesordnung. Grund dafür war eine Modifikation der sexuellen Aufklärung im Schulunterricht: Den
Schülern sollte die Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen vermittelt werden – und damit Offenheit, Diskriminierungsfreiheit und wertschätzendes Verständnis für Verschiedenheit und Vielfalt.
Fakt ist: Andere Lebenskonzepte jenseits des heterosexuellen Vater-Mutter-Kinder-Modells und Geschlechtlichkeit unabhängig von der Zuweisung bei der Geburt sind längst gesellschaftliche Realität. Das Bündnis um Hedwig von Beverfoerde (ehemals CDU, gut vernetzt mit der Familie von Storch; AfD), das tatkräftig von Beatrix von Storch (AfD) und Birgit Kelle (CDU) unterstützt wird, ist sehr weit davon entfernt, dies zu akzeptieren. Der neue Lehrplan trete Kindergefühle und Elternrechte mit Füßen, so die Veranstalter der so genannten „Demo für Alle“.
Zu diesen mit Füßen getretenen Kindergefühlen ist auch anzuführen, dass die Landesschülervertretung den neuen Lehrplan ausdrücklich befürwortet. Darüber hinaus erfüllt jede Bildungsinstitution ihren säkularen Auftrag. Die Würde von trans- oder intersexuellen Kindern und der Jugendlichen, die schwul, lesbisch oder bisexuell sind, wird dabei gezielt ausgeblendet. Die Existenz transsexueller Kinder und Jugendlicher wird einerseits angezweifelt, aber andererseits als „therapierbar“, im Sinne eines äußeren Zwangs hin zum zugewiesenen Geschlecht, dargestellt. Etwas, das die Bundesärztekammer und der Weltärztebund als unethisch einstufen.

Das Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt

Das Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt gründete sich im Oktober 2016 nach einem Aufruf der Wiesbadener Vereine Warmes Wiesbaden e.V. und AIDS-Hilfe Wiesbaden e.V..
Innerhalb weniger Wochen fanden sich über 100 Organisationen und Vereinigungen, die eindeutliches und positives Zeichen für eine offene Gesellschaft setzen wollten. Zur Demonstration am 30.10. unter dem Titel „Ihr seid nicht alle“ fanden sich über 3.000 Personen aus dem Rhein-Main Gebiet zusammen. Die durchweg friedliche Demonstration setzte einen eindrucksvollen Gegenpol zur sogenannten „Demo für Alle“, die mit knapp 1.000 Demonstrant_innen weit unter den angekündigten Zahlen blieb.
Die Organisationen des Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt bilden fast das gesamte gesellschaftliche Spektrum ab und haben in dieser Form zum ersten Mal zusammengearbeitet
Symposium

vielbunt erhält den Darmstädter Impuls-Preis

Am 20. April 2017 wurde uns von der Entega-Stiftung der Darmstädter Impuls-Preis für bürgerschaftliches Engagement verliehen.

Die Stiftungsvorsitzende Marie-Luise Wolff-Hertwig und Oberbürgermeister Jochen Partsch lobten die Arbeit von vielbunt und den Einsatz unserer Ehrenamtlichen.

Darmstädter Impuls

Foto: Entega-Stiftung

Rosa Opossum durfte stellvertretend für all unsere Mitglieder den Charlotte Heidenreich von Siebold-Preis für lokale Initiativen  entgegennehmen und ein wenig von unseren Angeboten und Projekten erzählen: „Wir stellen uns gegen Diskriminierung und zeigen, dass eine vielfältige Gesellschaft, in der alle die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben, eine Gesellschaft ist, von der auch alle profitieren. Wir haben Gruppenangebote für trans* Menschen und für queere Jugendliche. Wir unterstützen Rainbow Refugees die aus homophoben Gesellschaften geflüchtet sind und in Darmstadt eine Heimat finden sollen, wir bieten Stammtische, Kochabende und weitere Veranstaltungen an, bei denen alle so sein können, wie sie sind, ohne sich verstellen oder Diskriminierung fürchten zu müssen. Wo sie sich kennenlernen, austauschen und nötigenfalls gegenseitig unterstützen können. Mit unserem Aufklärungsprojekt sensibilisieren wir Schulklassen, mit dem Christopher Street Day und kulturellen Events bringen wir neben einigen politischen Botschaften auch unsere manchmal ganz eigene Kultur dem geneigten Publikum näher und fördern so den Austausch zwischen queerer Community und Stadtgesellschaft

Gleichzeitig hat sie erklärt, was die ehrenamtlich Aktiven bei
vielbunt motiviert:
Die Gründungsmitglieder haben Erfahrungen mitgebracht, die den Willen zu Veränderung angetrieben haben. Erfahrungen, die wir als junge Menschen auf der Straße oder auf dem Schulhof gemacht haben. Wenn man uns als unnormal oder krank bezeichnet hat oder ’schwul‘ für unser Umfeld nichts anderes war als ein Schimpfwort. Wir sind lesbisch, schwul, trans*, bisexuell oder intersexuell. Es ist für mich heute leicht zu sagen. Das war es aber nicht immer und ist es bis heute auch nicht für alle.  Die Diskriminierung auf dem Schulhof für viele von uns Vergangenheit. Für einigen jedoch noch gegenwärtiger Alltag. Deshalb wollen wir nicht nur junge Menschen stärken, sondern auch Eltern zu Anwält_innen ihrer Kinder machen: Wer Großvater werden möchte, muss sich für das Adoptionsrecht seiner lesbischen Tochter einsetzen.

Dunja Hayali, die Moderatorin der Preisverleihung wollte erfahren, ob die Arbeit von vielbunt nur auf Darmstadt begrenzt ist und spricht hier die sogenannte Demo für Alle an, der sich viele von uns seit Jahren entgegenstellen und auch kommenden Monat wieder zu verhindern versuchen. Rosa erinnerte auch an die in Medien und Politik kaum beachtete Schwulenverfolgung in Tschetschenien: „Unsere Aufgabe ist es, auf die Menschenrechtsverletzungen in Grozny aufmerksam zu machen und die, die Handlungsmacht haben, aufzufordern diese auch zu nutzen.“ (mehr dazu)

Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und kommt für vielbunt gerade wie gerufen. Wir haben viel zu tun und insbesondere mit dem Aufbau unseres Queeren Zentrums nicht nur Ideen für die Ausstattung sondern vor allem für neue Projekte.

Wir betrachten diesen Preis nicht als Selbstverständlichkeit. Er ist eine Auszeichnung für den Aktivismus, den viele engagierte Menschen bei vielbunt an den Tag legen. Er ist auch ein Zeichen dafür, dass wir und die Aktivist_innen vor uns auf dem richtigen Weg sind und waren. Und er ist auch eine Verpflichtung. Wir werden uns weiterhin für queere Angelegenheiten einsetzen. Sei es hier in Darmstadt vor der Haustür oder ein Stück weiter weg in Tschetschenien. Sei es die Schaffung von Schutzräumen für die die sich woanders nicht aufgehoben fühlen, die Ermächtigung von jungen Menschen für sich einzustehen, die Unterstützung von queeren Flüchtlingen beim Asylverfahren oder das Pochen auf Gleichberechtigung und den Abbau von Diskriminierung.

Impressionen von der Preisverleihung

Info-Abend: trans*Kinder und -Jugendliche – Herausforderungen im schulischen Umfeld

Kinder entdecken ihre Geschlechtsidentität in der Regel im Kindergartenalter. Obwohl es hierbei häufig zu Phasen des Ausprobierens kommt, stellt sich in der Regel schnell Klarheit ein. Die meisten Kinder können sich gut mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren und betrachten es als integralen Bestandteil ihrer Persönlichkeit. Was aber, wenn Kinder und Jugendliche irgendwann feststellen, dass sie mit der erfolgten Zuweisung nicht leben können?

Der Informationsabend legt den Schwerpunkt auf die besonderen
Herausforderungen, die trans*Kinder und –Jugendliche im  schulischen Umfeld zu bewältigen haben. Er richtet sich an alle, die junge Menschen auf ihrem Weg durch die Schule begleiten. Dies können Lehrkräfte und andere pädagogische Kräfte aus dem schulischen Bereich, Eltern, aber auch Personen aus dem Bereich der Schulverwaltung oder der pädagogischen Nachmittagsbetreuung sein.

Die Referenten Dr. Erik Schneider und Tom Schaaf bringen umfassende Erfahrung zu diesem Themenbereich mit. Dr. Erik Schneider ist Psychiater und Psychotherapeut und arbeitet seit vielen Jahren mit Eltern von Kindern, die das Zuweisungsgeschlecht nicht für sich annehmen, sowie seit Ende 2016 bei der Schulberatung von Trans-Kinder-Netz e.V. Sein Augenmerk gilt dabei insbesondere der Wahrung von Kinder- und anderen Menschenrechten in Erziehung, Medizin und Recht. Tom Schaaf kennt die Herausforderungen des trans*Wegs sowohl aus der
Elternperspektive als auch aus der eigenen Biographie. Er hat außerdem ein Lehramtsstudium sowie verschiedene Zusatzausbildungen im pädagogischen und therapeutischen Bereich absolviert und verfügt über langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Schüler*innen mit besonderen Bedürfnissen.

Nach zwei kurzen Eingangs-Inputs soll ein Großteil des Abends der Diskussion und der Beantwortung von Fragen aus dem Plenum gewidmet sein. Auch die Vertreter*innen der vielbunt-Elterninitiative Kim & Alex sind an diesem Abend ansprechbar. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit Trans-Kinder-Netz e.V.,
dem internationalen Verein von Eltern und Familienangehörigen von minderjährigen trans*Kindern, statt.

Die Teilnahme ist kostenlos, Spenden sind willkommen.

Informationsabend „trans*Kinder und -Jugendliche – Herausforderungen im schulischen Umfeld“

8. Mai 2017 | 19.00 Uhr

Queeres Zentrum in der Oetinger Villa
Kranichsteiner Str. 81
64289 Darmstadt

Einladung zum Download

Fünftkleinste AIDS-Gala der Welt

vielbunt e.V. und die AIDS-Hilfe Darmstadt e.V. veranstalten am Donnerstag, dem 01.12.2016 zum fünften Mal gemeinsam eine AIDS-Gala der etwas anderen Art.

Die Solidaritätsveranstaltung mit Kultcharakter versammelt bekannte Künstler_innen und Newcomer aus verschiedenen Genres für den guten Zweck in der Oetinger Villa.
Wie auch in den vergangenen Jahren organisieren vielbunt und die AIDS-Hilfe Darmstadt gemeinsam eine außergewöhnliche Spenden-Gala zum Welt-AIDS-Tag. Wieder einmal treffen Trash und Glamour schonungslos aufeinander. Das Publikum darf sich einen Abend lang mitreißen lassen von den Darbietungen bekannter Künstler_innen und neuer Talente. Die Veranstaltung bleibt ihrem alternativen Charakter treu und präsentiert eine Mischung aus Verstörung, Verzauberung, Chic und Rebellion.

Zeichen setzen gegen Stigmatisierung

Durch das Programm führt Drag Queen und Polit-Tunte Rosa Opossum: „Unsere Gala soll nicht nur Geld für die wichtige Arbeit der AIDS-Hilfe Darmstadt einbringen, sondern auch ein Zeichen setzen gegen die Stigmatisierung von Menschen, die mit HIV leben.“
„Wir von der AIDS-Hilfe in Darmstadt sind sehr froh gemeinsam mit vielbunt am Welt-Aids-Tag diese wunderbare Gala zu gestalten, vielen Menschen einen schönen Abend zu bieten und nicht zuletzt auch die Öffentlichkeit wieder auf das Thema HIV und Aids aufmerksam zu machen. In meiner täglichen Arbeit erfahre ich, dass es noch viel zu viel Stigmatisierung in der Gesellschaft gibt, unter der die Betroffenen und ihre Familien stark leiden und auch, dass eine HIV-Infektion oft mit Armut einhergeht. Daher freuen wir uns sehr über Spenden und garantieren, dass sie direkt und fünftkleinste AIDS-Galaunbürokratisch bei unseren Klientinnen und Klienten ankommen, dort, wo sie wirklich dringend benötigt werden“ erklärt Yvonne Bach, Geschäftsführerin der AIDS-Hilfe Darmstadt
Die Organisator_innen versprechen Live-Musik, Travestie, Kabarett und Anarchie für den guten Zweck: Sämtliche Gewinne der Veranstaltung kommen der Aids-Hilfe Darmstadt e.V. zugute.
Die Fünftkleinste AIDS-Gala der Welt findet am Welt-AIDS-Tag statt. Weltweit erinnern jährlich am 1. Dezember verschiedenste Organisationen an das Thema HIV/AIDS und rufen dazu auf, aktiv zu werden und Solidarität mit HIV-Infizierten, an AIDS Erkrankten und den ihnen nahestehenden Menschen zu zeigen.
Fünftkleinste AIDS-Gala der Welt
01.12.2016 / 19.00Uhr
Oetinger Villa (Kranichsteiner Str. 81, 64289 Darmstadt)
stefan.kraeh@vielbunt.org, yv.bach@darmstadt.aidshilfe.de
Telefon: 06151-3534346
Telefon AIDS-Hilfe: 06151 – 28073

Das Event bei Facebook zum Zusagen und Teilen

Kommunalpolitik ist auch Queerpolitik

Anlässlich der Hessischen Kommunalwahlen 2016 haben wir erstmals vielbunte Forderungen an die Kommunalpolitik formuliert und veröffentlicht. Im Dezember gingen diese sieben Forderungen mit der Bitte um Antwort bei allen derzeit in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien ein.
Mittlerweile haben wir von allen acht angeschriebenen Parteien Rückmeldungen erhalten und diese nun als Wahlprüfsteine auf unserer Webseite veröffentlicht.
Wir haben uns entschieden, nicht auf die einzelnen Antworten einzugehen. Allgemein ziehen wir jedoch ein positives Resümee.
Für (LGBT-)Wähler_innen in Darmstadt lohnt es sich, auch bei Kommunalwahlen hinsichtlich der Queerpolitik genau hinzusehen. Da sich alle angeschriebenen Parteien in Darmstadt in unterschiedlicher Weise positionieren, können Wähler_innen ihre Wahlentscheidung durchaus an diesem Themenfeld orientieren.
Zum ersten Mal mussten sich Parteien in Darmstadt zur Kommunalwahl mit Forderungen aus der queeren Community auseinandersetzen. Unabhängig vom Inhalt der Rückmeldungen erkennen wir daran, dass alle Parteien geantwortet haben als positives Signal, dass die Parteien Forderungen von LGBT-Vertretungen ernst nehmen.

Wir sehen, dass sich innerhalb der Parteien auch auf kommunaler Ebene ein Verständnis für die Notwendigkeit guter Queerpolitik entwickelt. Wir sehen aber auch, dass es sich hierbei um eine Antwort auf die Forderungen einer organisierten Minderheit handelt. Eine gute Minderheitenpolitik ist wichtig für eine Demokratie und sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Minderheitenschutz und eine Politik für Vielfalt und Toleranz sind gut für alle Bürger_innen einer Stadt, eines Landes, eines Staates.

Unsere zentrale Forderung nach einem queeren Zentrum in Darmstadt wurde mehrheitlich unterstützt. Wir freuen uns darüber sehr. Schade ist, dass sich aus den Antworten beispielsweise nicht absehen lässt, ob sich in Darmstadt eine ernsthafte und umfassende Aufarbeitung der Homosexuellenverfolgung durch die Nationalsozialist_innen realisieren lässt.

Unsere Wahlprüfsteine sind unter diesem Link zu finden. Zusätzlich zu den einzelnen Forderungen und den jeweiligen Antworten darauf stehen die komppletten Rückmeldungen der Parteien auch als Dateien zum Download zur Verfügung.
Mithilfe einer Ampelmatrix haben wir alle Forderungen und alle Antworten vereinfacht in eine Grafik zusammengefasst.

09.02.2016, Der Vorstand
Kommunalpolitik

Die viertkleinste AIDS-Gala der Welt

vielbunt e.V. und die AIDS-Hilfe Darmstadt e.V. veranstalten am 28.11.2015 gemeinsam eine AIDS-Gala der etwas anderen Art.
Die Solidaritätsveranstaltung mit Kultcharakter versammelt bekannte Künstler_innen und Newcomer aus verschiedenen Genres für den guten Zweck auf einer gemeinsamen Bühne. Moderatorin Rosa Opossum kündigt eine neue Form der Schonungslosigkeit an.
Während man sich Spenden-Galas eher als große Prunk-Veranstaltungen mit viel Glanz und Gloria vorstellt, setzt die alternative AIDS-Gala von vielbunt, der AIDS-Hilfe und dem AStA der h_da auf Kanonen-Glitzer, Trash-Chic und verlotterten Pomp.
Im Rahmen des Welt-AIDS-Tags geben sich am Samstag, den 28.11 überregional bekannte Künstler_innen und Newcomer, aber auch talentbefreite Störenfriede und altbekannte Publikumsschrecke auf der vielbunten Bühne die Klinke in die Hand. Wie auch bei den vergangenen „kleinsten AIDS-Galas der Welt“ wissen die Macher_innen genau so wenig wie das Publikum, wie das Bühnenprogramm letztendlich aussehen wird: Ganz nach dem Vorbild der Veranstaltungen in den letzten Jahren präsentiert Drag Queen und Moderatorin Rosa Opossum eine außergewöhnliche Mischung aus Live-Musik, Travestie, Kabarett und Anarchie: „Unser gemeinsamer Einsatz für Menschen die mit HIV leben besteht nicht nur aus Geld sammeln. Wer zu unserer Gala kommt, zeigt sich solidarisch und spricht sich gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung aus. Das schützt die Künstler_innen und die sich so nennen, jedoch nicht vor meiner vernichtenden Moderation.“Bereits angekündigt haben sich Singer/Songwriter Hanne Kah und Patrik Jost sowie die Musiker Mad und Clinton aus Mainz und Kapstadt. Die anschließende After-Show-Party wird von klingt-gut.com mit tanzbarer Musik versorgt.viertkleinste AIDS-Gala
Sämtliche Gewinne der Veranstaltung kommen der Aids-Hilfe Darmstadt e.V. zugute.
Die Viertkleinste AIDS-Gala der Welt findet im Rahmen des Welt-AIDS-Tages statt. Weltweit erinnern jährlich am 1. Dezember verschiedenste Organisationen an das Thema HIV/AIDS und rufen dazu auf, aktiv zu werden und Solidarität mit HIV-Infizierten, an AIDS Erkrankten und den ihnen nahestehenden Menschen zu zeigen.
Viertkleinste AIDS-Gala der Welt
Datum: 28.11.2013
Uhrzeit: 19.30 Uhr
Ort: Glaskasten, Schöfferstraße 3, 64295 Darmstadt
Internet: www.vielbunt.org
Email: presse@vielbunt.org
Telefon: 06151-3534346
Hier geht es zum Event bei Facebook

Neuer Vorstand mit neuen Gesichtern

Neuer VorstandAnlässlich der Mitgliederversammlung von vielbunt e. V. am 16. November 2014 hat sich auch ein neuer Vorstand gebildet. Der bisherige erste Vorsitzende Jan Rothermel wie auch der Beisitzer Christian März haben nach vier bzw. zwei Jahren Vorstandsarbeit beschlossen, nicht mehr zu kandidieren und somit Platz für neue Vorstandsmitglieder und neue Ideen zu machen.

Der neue Vorstand

Nach angeregten Diskussionen zum Arbeitsprogramm der kommenden zwei Jahre und zu weiteren Zukunftsplänen von vielbunt wurden mit eindeutigen Ergebnissen Stefan Zoll und Florianne Blöcher zu den neuen Beisitzer_innen gewählt. Beide haben den Verein und seine Ziele durch ihr Engagement in verschiedenen Projekten bereits in der Vergangenheit mit vorangebacht.

Dennis Hochmann, seit Gründung von vielbunt verdienter Kassenwart des Vereins wurde in seinem Amt ebenso bestätigt wie der zweite Vorsitzende Alexander Arnold. Neuer erster Vorsitzender ist nun der bisherige Beisitzer Stefan Kräh. In seinem Schlusswort zur Mitgliederversammlung betonte er, dass der Vorstand bei vielbunt gleichberechtigt ist und er sich auf zwei weitere spannende Jahre der Zusammenarbeit für die Rechte und Interessen queerer Menschen und für die Bewegung freue.

Dank für ehrenamtliches Engagement

Die Verabschiedung der beiden ausscheidenden Vorstandsmitglieder wird im Rahmen des vielbunten Jahresabschlusses und CSD-Helfer_innentreffens am Donnerstag, den 20. November im 60,3 qm stattfinden. Hier geht es zum Facebook-Event

Neuer Vorstand

Themenwoche Toleranz – Offener Brief an den Hessischen Rundfunk

Offener Brief an den Hessischen Rundfunk zur ARD Themenwoche Toleranz

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

auf Ihrer Webseite www.hr.de kündigen Sie anlässlich der ARD Themenwoche Toleranz die Sendung Horizonte mit dem Titel „Der Tanz um die Toleranz“ an. Der zugehörige Text stellt die Frage „Was müssen wir uns gefallen lassen – was nicht?“ und bezieht sich gleich im Anschluss auch auf Schwule: „Ist sich das knutschende schwule Paar in der U-Bahn eigentlich bewusst, wie viel Toleranz es seinen Mitreisenden abverlangt?“. Weiter heißt es: „Toleranz ist etwas, was die Mehrheit der Minderheit gewährt.

Wir stellen fest, dass dieser Text verletzend ist und sich auf unverschämte Art einer diskriminierten Minderheit bedient, statt sich fachlich mit Toleranz zu beschäftigen. Das „knutschende schwule Paar“ muss sich nicht bewusst machen, wie viel Toleranz es Mitreisenden abverlangt, da das Geschlecht bei einem öffentlichen Kuss keine Frage der Toleranz ist. Wer einen Unterschied macht zwischen einem heterosexuellen und einem homosexuellen Paar das sich küsst, hat kein Problem mit Toleranz, sondern ist schlicht homophob. Schwule und Lesben die ihr Beziehungs- und Sozialverhalten genauso selbstverständlich und offen leben wie Heterosexuelle, sind kein Angriff auf die sogenannte „Mehrheit“. Sie verlangen den Mitmenschen keine Toleranz ab, welche ihnen dieselbe „gewährt“, ARD Themenwoche Toleranzsondern lassen sich vielmehr von der Gefahr einer etwaigen direkten oder indirekten Diskriminierung nicht einschüchtern. Es ist unerhört, dass sich Schwule und Lesben immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, dass sie provozieren wollten oder die Toleranz überstrapazieren, nur weil sie sich so verhalten, wie es für heterosexuelle Menschen vollkommen unproblematisch wäre. Toleranz als etwas zu bezeichnen, das „die Mehrheit der Minderheit gewährt“ impliziert, dass „die Mehrheit“ „der Minderheit“ nur so viel Raum gewährt, wie für erstere gerade noch erträglich ist. Diese Sichtweise und Einstellung erkennen wir genauso als falsch wie die Logik, dass über die Grenzen der Toleranz gesprochen werden muss, sobald sich jemand, bedingt durch Werte, Bauchgefühl oder sonstiges an schwulen Küssen, lesbischen Müttern oder der Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaft gegenüber der Ehe stört. Menschenrechte sind unteilbar. Bauchgefühl rechtfertigt Diskriminierung nicht. Schwule und Lesben, die sich öffentlich küssen, Hand in Hand die Straße entlanggehen oder einfach nur offen mit ihrer sexuellen Orientierung umgehen sind nichts, was Sie sich „gefallen lassen“ müssen, sondern sind eine Realität mit der Sie endlich klar kommen sollten.

Weiter schreiben Sie: „ Aber auch zu viel Toleranz kann zu Konflikten führen, – etwa wenn dadurch etwa[sic] eigene Überzeugungen, Werte oder Lebensmodelle zurückstecken müssen.“

Hierzu stellen wir fest, dass es in der Frage um Menschenrechte kein „zu viel“ an Toleranz geben kann. Minderheiten wie Schwule und Lesben finden sich in Deutschland nach wie vor in einer Situation der strukturellen, sozialen und individuellen Diskriminierung wieder. Wir fragen uns ernstlich, welche Ihrer Überzeugungen, Werte und Lebensmodelle beeinträchtigt sein könnten, wenn alle Menschen die gleichen Rechte haben. Vielmehr stellen wir uns die Frage, wie viel Toleranz homosexuellen und auch anderen Gebührenzahler_innen abverlangt wird, wenn sie sehen, dass mit ihren Beiträgen eine Sendung finanziert wird, in der Matthias Matussek über Toleranz diskutieren soll. Matussek bildet in keinster Weise eine zugewandte Einstellung zu der Vielfältigkeit in unserer Gesellschaft ab, sondern hat sich nach unserer Einschätzung lediglich durch seine Aussage „Ich bin wohl homophob. Und das ist auch gut so.“ als Gast der Sendung qualifiziert. Wir finden es weder zulässig, noch akzeptabel, eine Diskussion um Toleranz führen zu wollen, zu der ein offen homophober Gast eingeladen ist. Es ist eine gängige Praxis der öffentlich-rechtlich produzierten Talk-Runden insgesamt, bei dem Thema Homosexualität homophobe Gäste einzuladen und ihren menschenfeindlichen Reden eine Bühne zu geben. Man stelle sich Sendungen zu den Themen Judentum in Deutschland oder Flüchtlinge vor, in denen ein_e Antisemit_in oder Rassist_in eingeladen werden. Das Konzept, einen Schwulen mit einem Schwulenhasser diskutieren zu lassen um dann so etwas wie eine „gesunde Mitte“ zu finden, funktioniert nicht. Diskriminierung ist und bleibt Diskriminierung und ist nicht verhandelbar – und das darf sie auch niemals sein. Wie lange noch müssen Zuschauer_innen die schwulen- und lesbenfeindliche Gäste tolerieren?