Es war ein sonniger Herbsttag im beschaulichen und zweideutigen Wixhausen, als sich 24 Menschen versammelten, um den Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern in Darmstadt eine Stimme zu geben und gemeinsam gegen Homophobie und für Toleranz einzustehen. Einen CSD soll es geben und irgendwie mag man was an Schulen machen. Und die S+L-Party muss gerettet werden. Und überhaupt.
vielbunt. war geboren. Noch kein Verein, aber schon mit Logo, Punkt und Tagline. Drunter macht man´s nicht.
Von diesem Tag an ereignete sich so vieles so schnell, dass man sich manchmal nur noch verdutzt die Augen rieb. Arbeitsgruppen schossen aus dem Boden, eine Gruppe keuchender LGBTs machte den Bürgerpark unsicher, man wurde mit e.V. ausgezeichnet und Träume wurden urplötzlich Realität. Und wo kamen diese vielen Menschen her, die – welcher Sexualität auch immer – die Mitgliederzahl um fast 100 steigerten?
Heute kann vielbunt e.V., mittlerweile ohne Punkt aber immer noch mit Tagline, stolz auf ein bewegtes Jahr zurückblicken. Es ist schon erstaunlich, aber im Grunde haben wir alle unsere Vorhaben umsetzen können: Darmstadt hat nun seinen eigenen Christopher Street Day! Mehr als 50 Helferinnen und Helfer haben das ermöglicht und gaben dem CSD eine ganz bestimmte, individuelle Note. Nicht zuletzt durch Bänner. Das ist Darmstadt.
Und wer vor nicht allzu langer Zeit mit vier anderen Hartgesottenen den Sonntagabend auf der Tanzfläche im Schlosskeller verbracht hat und nun regelmäßig vor verschlossener Tür steht (außer an Weihnachten, Ostern, Pfingsten und äh… Einheit), sollte den 3. Freitag im Monat ROSA im Kalender anstreichen. Doch Vorsicht. Es ist nichts mehr wie früher. Auf der Tanzfläche droht Erdrückungsgefahr. Man muss für den Caipi etwas länger anstehen. Die Musik ist immer anders. Der DJ auch. Das Looking ebenso. Und Rosas Kleider erst. HAMMER. Nur die Toiletten sind die gleichen wie damals.
Unter Wirten mittlerweile bekannt, geliebt und gefürchtet zugleich: unser Stammtisch „Treffbunt“, der nicht Stammtisch genannt werden will, aber doch irgendwie sowas in der Art ist. Kreuz und queer fallen jeden 2. Montag im Monat etwa 40-50 Leute in eine zuvor per Losverfahren ausgewählte Lokalität ein, um „Gleichgesinnte“ kennenzulernen. Das lassen wir mal kommentarlos so stehen.
Dass vielbunt auch SchLAu machen kann, beweist unsere AG Dialog. Und was war sie fleißig. Opferte gar freiwillig ein Wochenende für ein Seminar. Nun ist man kein einfaches AG-Mitglied mehr, sondern Teamerin und Teamer. Schick. Nun heißt es ab ins kalte Wasser. Doch dank Stefan Timmermanns hat sich die Sprunghöhe von zehn auf einen Meter verringert. Also auf in die Schulklassen und Vorurteile und Rollenbilder bei der Wurzel packen.
Man könnte die Liste noch fortsetzen. Aber Eigenlob stinkt bekanntlich. Und die Luft wird schon stickig. In diesem Sinne: Gratulation vielbunt! Gratulation Euch allen! Auf ins zweite Jahr!
Euer Vorstand